Bernd Vorbeck wird seinen Posten an der Spitze der Frankfurter Master- und Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) Universal-Investment zum 1. Mai abgeben. Als Vorsitzender der Geschäftsführung folgt ihm Michael Reinhard nach, der vor knapp einem Jahr als Leiter des operativen Geschäfts (Chief Operating Officer, COO) zu Universal-Investment gestoßen war. Vorbeck wechselt in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Darüber hinaus werde er Universal-Investment "weiterhin in strategischen Fragen beraten", teilte die Gesellschaft am Montag mit.

In der Pressemeldung ist zwar von einem "planmäßigen Stabwechsel" die Rede, dennoch kommt die Rochade an der Firmenspitze überraschend. Von Vorbecks Wunsch, sich aus der Geschäftsführung zurückziehen zu wollen, war bislang nichts bekannt gewesen. Der 57-Jährige arbeitet seit 30 Jahren für Universal-Investment, die letzten 20 Jahre davon in der Geschäftsführung.

Vorbeck hatte in jüngster Zeit mit viel Energie den aggressiven Wachstumskurs vorangetrieben, den der neue Eigentümer, die britische Beteiligungsgesellschaft Montagu, der Service-KVG verschrieben hat. Mittlerweile administriert das Unternehmen mehr als 411 Milliarden Euro für institutionelle Investoren und Fondsinitiatoren, ein Zuwachs von 55 Milliarden Euro binnen Jahresfrist. Bis 2023 soll die 500-Milliarden-Euro-Marke geknackt werden.

"Ein guter Zeitpunkt für einen geordneten Generationswechsel"
Die ambitionierten Ziele des neuen Eigentümers sorgten firmenintern für einige Unruhe und Abgänge. Vorbeck verteidigte den Wachstumskurs jedoch stets ambitioniert, eine Amtsmüdigkeit war bei ihm nicht zu erkennen.

"Wir haben in den letzten beiden Jahren erfolgreich die Basis für die zukünftige Entwicklung von Universal-Investment geschaffen, deswegen ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen geordneten Generationswechsel", lässt sich Vorbeck in der Mitteilung zitieren. "Mit Michael Reinhard haben wir einen absoluten Branchenexperten gefunden, der mit seinem Knowhow und seiner internationalen Erfahrung wichtige Impulse für die kontinuierliche Weiterentwicklung von Universal-Investment setzen wird."

Katja Müller steigt ins "C-Board" auf
Reinhard kam im März vergangenen Jahres als COO zu Universal-Investment. Er folgte auf den langjährigen Geschäftsführer Oliver Harth, der das Haus im September 2017 überraschend verlassen hatte. Reinhard kam vom Axa-Konzern, wo er zuletzt als Global Head of Operations bei Axa Investment Managers in Paris gearbeitet hatte. Seine Karriere hatte der heute 45 Jahre alte Manager bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers begonnen.

Im obersten Führungsgremium, dem "C-Board", gibt es eine weitere Veränderung: Künftig wird Katja Müller als "Chief Customer Officer" das Geschäft mit institutionellen Anlegern und Fondsinitiatoren vorantreiben. Sie kam 2014 zu Universal-Investment, im Jahr darauf übernahm sie die Leitung des damals neu geschaffenen Geschäftsbereiches Sales & Relationship Management. Seit 2017 gehört sie der Geschäftsleitung der Investmentgesellschaft an – und nun auch der obersten Führungsriege.

"Größte Fondsservice-Plattform für alle Asset-Klassen in Europa"
Dem C-Board gehört neben Reinhard und Müller auch Frank Eggloff an. Er kam im Februar 2017, kurz nach der Übernahme von Universal-Investment durch Montagu, als Finanzchef an Bord. "Die Position des COO wird neu besetzt werden", teilt das Unternehmen mit – ein weiterer Hinweis darauf, dass Reinhards Berufung zum Nachfolger Vorbecks zumindest nicht von langer Hand geplant war.

Reinhard hält an dem Ziel fest, Universal-Investment zur "größten Fondsservice-Plattform für alle Asset-Klassen in Europa" zu machen. Um das zu erreichen, investiert die Gesellschaft verstärkt in Internationalisierung, Mitarbeiter und Technologie. Am neuen Standort Krakau sollen 150 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Auch die IT-Investitionen seien weiter erhöht worden. "Unser Ziel ist es, als Innovationsführer die Digitalisierung der Fondsbranche weiter voranzutreiben", lässt sich Reinhard zitieren. Er erneuerte außerdem die Ansage, die Konsolidierung der Fondsbranche vorantreiben zu wollen, beispielsweise durch Übernahmen. (bm)