Joe Biden hat die Marke von hundert Tagen im Amt des US-Präsidenten überschritten – Zeit für eine erste Bilanz. Man kann nicht sagen, dass der Demokrat in dieser Zeit untätig gewesen wäre: "Mit der Unterstützung eines demokratisch geführten Kongresses hat Biden bereits viele seiner Vorhaben durchsetzen können", sagt Andrea Siviero, Investmentstratege bei Ethenea. Am Dringlichsten war und ist noch immer die Bekämpfung der Corona-Pandemie. In diesem Bereich hat Trumps Nachfolger auch die größten Erfolge zu verzeichnen. "Biden wollte in seinen ersten hundert Tagen hundert Millionen Amerikaner gegen Covid-19 impfen. Das gelang ihm bereits nach etwa 50 Tagen", sagt Siviero.

Fortschritte bei der Pandemie-Bekämpfung sind essentiell für die Erholung der US-Wirtschaft. Der hat Biden mit einem beispiellosen, 1,9 Billionen US-Dollar schweren Hilfspaket unter die Arme gegriffen. Es enthält unter anderem Direktzahlungen an US-Bürger und verlängerte Zuschläge zur Arbeitslosenversicherung. "In einer Hinsicht ist Bidens Wahlkampfversprechen, einen überparteilichen Konsens nach Washington zu bringen, jedoch kläglich gescheitert", sagt Siviero: Kein einziger Republikaner hat für das gewaltige Konjunkturprogramm gestimmt. Auch sonst fällt Bidens innenpolitische Bilanz bislang durchwachsen aus. So hat es die Regierung etwa bisher nicht geschafft, die Flüchtlingskrise an der mexikanischen Grenze zu bewältigen.

Wettstreit mit China geht in die nächste Runde
Auf internationalem Parkett bemüht sich der US-Präsident, die Beziehungen zu transnationalen Verbündeten, die unter Trump tiefe Risse bekommen haben, wieder zu kitten und die Vereinigten Staaten als verlässlichen Partner zu re-positionieren. "Biden hat außerdem Russland und China als Gegenspieler identifiziert", erklärt der Ethenea-Stratege. Der Wettbewerb um die globale Vormachtstellung zwischen China und den USA wird also auch während Bidens Präsidentschaft weitergehen. Insgesamt war der neue Präsident in seinen ersten hundert Tagen durchaus erfolgreich, bilanziert Siviero. Aber: "Sobald die Pandemie vorbei ist, wird er seine ganze Erfahrung brauchen, um seine politische Agenda voranzubringen." Denn noch immer sind die USA ein politisch tief gespaltenes Land. (fp)