Staatsanleihen gelten zwar nach wie vor als vergleichsweise sicheres Investment, aber ihr Ruf hat in den vergangenen Jahren gelitten. Schuld daran sind die Mini-Zinsen und die teils exorbitante Verschuldung vieler Staaten. Das Risiko-Rendite-Verhältnis der Papiere erscheint derzeit alles andere als attraktiv. Auf lange Sicht sind Staatsanleihen aber aller aktueller Skepsis zum Trotz eine attraktive Anlage, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und beruft sich dabei auf eine Studie dreier Wirtschaftswissenschaftler.

Berechnungen der Ökonomen Josefin Meyer, Carmen M. Reinhart und Christoph Trebesch, die sie in ihrer Arbeit "Staatsanleihen seit Waterloo" dargelegt haben (die komplette Studie finden Sie als PDF im Anhang), zeigen: In den vergangenen 200 Jahren widerstanden die Papiere zahlreichen Staatspleiten – und lieferten dabei auch noch ordentliche Renditen.

So erzielte ein breit gestreutes Staatsanleihen-Portfolio zwischen 1815 und 2016 nach Inflation eine durchschnittliche Realrendite von 6,8 Prozent pro Jahr. Ohne Einrechnung der beiden Weltkriege wären es sogar 7,05 Prozent nach Abzug von Inflation gewesen. "Unsere wichtigste Erkenntnis lautet, dass die Renditen ähnlich wie bei Aktien ausreichend hoch waren, um eine angemessene Kompensation für das mit ihnen verbundene Risiko zu liefern", schreiben die Studienautoren.

Bei Staatsbankrott gibt’s Geld zurück
Die Waterloo-Studie belegt, wie wichtig eine breite Streuung ist. Ein diversifiziertes Staatsanleiheportfolio brachte demnach eine jährliche Mehrrendite von rund vier Prozent gegenüber einem Portfolio, das ausschließlich aus britischen oder US-amerikanischen Staatsanleihen bestand. Klug zusammengesetzt hat ein Staatsanleiheportfolio auf lange Sicht sogar ein Portfolio aus Unternehmensanleihen geschlagen.

Ob die hohen Renditen aus der 200-Jahres-Studie auch in Zukunft drin sind, ist zwar fraglich. Eine weitere Studie kommt aber zu ermutigenden Ergebnissen, was das Risiko von Staatsanleihen betrifft: Langfristige Schäden durch Staatspleiten oder für Bondinhaber verlusttträchtige Teil-Schuldenschnitte werden demnach überschätzt. Die Autoren haben die Folgen von mehr als 300 Staatsbankrotten für ein breit gestreutes Portfolio unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Außer in Extremfällen wie Kriegen oder Hyyperinflationsphasen enden Staatsbankrotte kaum je mit einem Totalausfall für Rentenanleger. Im Schnitt bekamen sie in der Vergangenheit in solchen Fällen immerhin mehr als die Hälfte ihres Kapitals zurück. (fp)