Der strukturelle Anlagefall für Gold ist aus Sicht von Joni Teves weiterhin intakt. Die Edelmetallstrategin der UBS Investment Bank hält trotz möglicher kurzfristiger Rückschläge an einem Goldpreisziel von 5.600 US-Dollar im Jahr 2026 fest. Laut einem Bericht der "Economic Times" sieht die Expertin den wichtigsten Treiber dabei nicht in ETF-Zuflüssen oder Zentralbankkäufen, sondern in einem grundlegenden Wandel bei der Rolle von Gold in Anlegerportfolios.

Diversifikation statt kurzfristiger Spekulation
Entscheidend für den weiteren Goldpreisanstieg seien aus Sicht von Teves weniger kurzfristige Faktoren wie ETF-Zuflüsse oder Käufe der Zentralbanken. Gerade die Notenbanknachfrage habe sich zuletzt sogar abgeschwächt. Den eigentlichen Treiber sieht die UBS-Strategin vielmehr in einem grundlegenden Umdenken vieler Anleger. Staaten, Institutionelle und Privatanleger betrachteten Gold zunehmend als festen Bestandteil der Portfolioallokation.

Die strukturelle Verschiebung habe laut Teves bereits 2022 begonnen, als die Sanktionen gegen die russische Zentralbank die Sichtweise auf Reserveanlagen verändert hätten. Seitdem habe sich ein makroökonomischer Schock an den nächsten gereiht. "Gold ist dadurch von einer Absicherung zu einer Kernposition geworden", zitiert die Zeitung die UBS-Strategin.

Kurzfristig Rückschlagsrisiken möglich
Belastungsfaktoren wie höhere reale US-Zinsen, ein stärkerer Dollar und steigende Ölpreise könnten kurzfristig zwar Gegenwind erzeugen. Auch eine Konsolidierung oder vorübergehende Rückgänge seien daher nicht ausgeschlossen. Am mittelfristigen Bild ändere das aus Sicht von Teves jedoch wenig.

Die Strategin verweist darauf, dass höhere Ölpreise langfristig das Wirtschaftswachstum bremsen könnten. Schwächeres Wachstum wiederum erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer lockereren Geldpolitik der US-Notenbank. Historisch habe ein solcher geldpolitischer Kurswechsel häufig den Boden für steigende Goldpreise bereitet. "Kurzfristig überwiegen die Risiken auf der Unterseite. Mittel- bis langfristig sind die Risiken jedoch eher nach oben gerichtet – insbesondere dann, wenn das Wachstum enttäuscht und die Fed reagieren muss", erklärt Teves laut dem Bericht. 

Für Anleger, die auf einen Wiedereinstieg warteten, empfiehlt die UBS-Strategin Geduld. Die Marktpositionierung sei derzeit eher leicht und die kurzfristige Entwicklung schwer einschätzbar. Dennoch bleibe das fundamentale Szenario für Gold bestehen. (mb)