Die europäische Wirtschaft sieht im Vergleich zum Rest der Welt derzeit ziemlich alt aus: Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums fiel im Jahr 2020 um etwa 6,8 Prozent und damit deutlich stärker als zum Beispiel das BIP der USA, das nur um 3,5 Prozent abnahm. Und auch der MSCI Europe läuft dem MSCI World weiter hinterher. Trotzdem sollten Anleger gerade jetzt auf europäische Einzeltitel setzen, raten die Fondsmanager Tawhid Ali und Andrew Birse von Alliance Bernstein (AB). "Wenn die Pandemie überstanden ist, dürften sich vor allem europäische Substanzwerte erholen – und bieten somit interessante Anlagemöglichkeiten", schreiben sie.

Für die Experten von AB steht fest: Die europäische Wirtschaft wird sich normalisieren – selbst wenn es länger dauert als anderswo. Und gerade der akute Rückstand der europäischen Konjunktur könnte sich am Ende sogar als Chance entpuppen. "Die europäischen Märkte verfügen über relativ konjunktursensible Aktien, die bei einer breiteren Verbesserung des makroökonomischen Wachstums viel aufgestautes Erholungspotenzial bergen", erklären die beiden Fondsmanager.

Drei mögliche Post-Krisen-Trends
Die Konjunkturerholung nach dem Ende der Corona-Krise dürfte insbesondere die Aktienkurse resilienter Unternehmen in die Höhe treiben, die oftmals unterschätzte Geschäftsmodelle haben, aber in Krisen besonders solide sind. Dazu zählen zum Beispiel Lebensmittelhändler wie die britische Supermarktkette Tesco. Die sogenannten Transformations-Champions wiederum haben sich in der Krise den Gegebenheiten angepasst, sagen die AB-Experten. So zum Beispiel der französische Videospielhersteller Ubisoft Entertainment – das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten sein Produktportfolio bestätig verändert und weiterentwickelt. Auch bei den "Transformations-Champions" haben die Fondsmanager attraktive Chancen ausgemacht.

Potenzial sehen Ali und Birse auch im Gewohnten: Sobald die Pandemie überwunden sei, könnten viele Firmen von der Normalisierung profitieren. Dazu zählen die AB-Manager zum Beispiel Immobilienunternehmen wie den deutschen Konzern Aroundtown. "Wenn der Reiseverkehr und der Tourismus mit Aufhebung des Lockdowns wieder anziehen und Hotels wieder Miete zahlen, sollten Immobilienkonzerne mit einer soliden, attraktiv bewerteten Vermögensbasis für eine Erholung gut positioniert sein", schreiben sie. (fp)