Rentenanleger sehen sich heute größeren Herausforderungen gegenüber als je zuvor. Das liegt vor allem an den großen Notenbanken, deren Politik die Märkte beeinflusst. So hat die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Eurozone dazu geführt, dass niedrige oder sogar negative Renditen entlang der gesamten Zinskurve einhergehen mit sehr niedrigen Risikoaufschlägen für fast alle Unternehmensanleihen, sagt John Taylor, Spezialist für europäische Anleihen beim Fondsanbieter Alliance Bernstein (AB).

Den Herausforderungen des heutigen Anleihemarktes ist nur eine Künstliche Intelligenz (KI) gewachsen, meint Taylor. Selbst kleine Bewegungen bei den Risikoaufschlägen können die Anleihekurse inzwischen so stark bewegen, dass Anleger Geld verlieren, wenn sie nicht schnell genug handeln. KI kann Chancen und Risiken rascher erkennen als Menschen und dann schneller und effizienter reagieren.

Computer schlägt Fondsmanager
Selbst Profis können der Komplexität des Bond-Marktes nicht immer genug entgegensetzen, sagt der AB-Experte. "Seit der globalen Finanzkrise hat sich die Marktliquidität drastisch verringert und die Märkte sind viel stärker fragmentiert", erklärt er. Das macht den Anleihehandel für Vermögensprofis schwieriger. Wer KI in den Anlageprozess integriert, kann dieses Problem lösen, sagt Taylor: "Angefangen mit digitalisiertem Research ist der nächste Schritt die Nutzung von Algorithmen zur Auffindung von Liquiditätsinseln über mehrere Plattformen hinweg." Anschließend kann man sogenannte Chatbots einsetzen, die binnen Sekunden Chancen erkennen und Orders erstellen.

Der Einsatz von KI hat messbare Vorteile für den Ertrag, sagt Taylor. "Nach unserer Erfahrung ergibt sich der größte Performance-Vorteil in volatileren Märkten und in Märkten mit negativem Trend." Grob geschätzt und unter durchschnittlichen Marktbedingungen könnte KI zwischen 10 und 20 Basispunkten zum Anlageergebnis beitragen, so der Experte. (fp)