Die beiden Multi-Asset Portfolio Manager bei AllianceBernstein (AB), Karen Watkin und Morgan Harting, gehen in einem aktuellen Kommentar auf die Aussichten für die Schwellenländermärkte ein. Diese sollten vor allem von einem im Vergleich zu den Industriestaaten höheren Wirtschaftswachstum profitieren, das dieses Jahr etwa 4,1 Prozent erreichen sollte. Zum Vergleich: Die OECE-Staaten erreichen nur knapp über zwei Prozent.

Das höhere Wachstum begründet sich am positiven Strukturwandel. Die althergebrachten Einwände höherer Schwankungen bei den Unternehmen und Staaten aus den Emerging Markets treten immer mehr in den Hintergrund. Viele EM-Länder haben inzwischen erhebliche politische und wirtschaftliche Reformen durchgeführt, die vor allem die Konjunktur stabilisieren. Dadurch ist die Inflationsrate signifikant gesunken und die Wechselkurse wurden stabiler. Das wiederum ermöglicht vielen Regierungen, mehr Maßnahmen zu ergreifen um die Konjunktur zu beleben – was sowohl Anleihen als auch Aktien aus den Schwellenmärkten Auftrieb verleihen dürfte.

Durch die sinkenden Inflationsraten hat sich die Preismacht der Produzenten verbessert. Das kommt den Margen und Gewinnen vieler EM-Unternehmen und damit auch ihrer Kreditwürdigkeit zugute. Dank der stark verbesserten Außenbilanzen vieler Schwellenländer sind diese nun auch weniger abhängig von ausländischem Kapital und somit nicht mehr so stark den steigenden Zinsen in den Industrieländern ausgeliefert. In der Vergangenheit hatte dies die Emerging Markets stark belastet.

Mexikanische Anleihen sind attraktiv
In einigen Schwellenländern liegen die Chancen der langfristigen Veränderungen vor allem im festverzinslichen Bereich. Mexiko durchlebt gerade eine eher schleppende konjunkturelle Entwicklung, was gegen einen Einsatz am relativ hochbewerteten Aktienmarkt spricht. Doch die gebremste Entwicklung zähmt die Inflation. Das ist ein weiterer positiver Faktor für mexikanische Staatsanleihen.

Diese hatten zuletzt ebenfalls davon profitiert, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung sehr umsichtig agiert. In Peso ausgegebene Anleihen genießen bereits Investment-Grade-Status. Dennoch bietet die zehnjährige Anleihe eine Rendite von mehr als sieben Prozent. Das ergibt laut den beiden AB-Experten eine hochinteressante Kombination von hohem Ertragspotenzial bei überschaubarem Risiko.

Argentinischer Peso vor Aufwertung
Andere Schwellenländer sind auf der Währungsebene besonders attraktiv. Die leidvolle Geschichte Argentiniens als Schuldnerland bedeutet, dass seine Staatsanleihen weiterhin ins High-Yield-Universum eingeordnet werden. Es ist Präsident Macri und seiner marktfreundlichen Regierung jedoch gelungen, eine Übereinkunft mit der internationalen Gläubigergemeinschaft zu erzielen.

Dadurch erhält das Land wieder Zugang zu ausländischem Kapital. Diese positiven Entwicklungen machen Peso-denominierte Anleihen doppelt anziehend: Sie bieten nicht nur eine Rendite von 14 Prozent, sondern auch einen Zuschlag von der Währung.

Noch immer günstig bewertet
Trotz der erwähnten positiven Faktoren, die durch hohe Wachstumsraten und Reformen ausgelöst wurden, sind viele Emerging Markets-Vermögenswerte noch immer vergleichsweise günstig bewertet, meinen Watkin und Harting. Insbesondere gegenüber den Papieren aus den Industrieländern. Schwellenland-Aktien werden zu einem erheblichen Abschlag gehandelt.

Und Emerging-Markets-Anleihen in Lokalwährung bieten einen besonders hohen Renditevorteil im Vergleich zu Papieren aus den Industrieländern. Zudem sind die meisten Anleger trotz der jüngsten Mittelzuflüsse in die Schwellenmärkte dort weiterhin untergewichtet. „Das lässt vermuten, dass erhebliches Potenzial für zukünftige Allokationen verbleibt, wodurch die Vermögenswerte der Schwellenländer zusätzlich gestützt werden dürften“, schreiben Watkin und Harting abschließend. (aa)