Die asiatischen Aktienmärkte mussten in den letzten Tagen herbe Verluste hinnehmen. Doch das sei kein Grund für Schwarzmalerei, meint Hugh Young, Aktienvorstand bei Aberdeen Asset Managers (Aberdeen AM) in einem aktuellen Asien-Kommentar. Vielmehr seien weitere Kurskorrekturen für die finanzielle Stabilität der Region sogar wünschenswert - und würden Investoren zudem attraktive Chancen bieten.

Bedenklicher Höhenflug

Mit den jüngsten Markteinbrüchen habe sich der Trend des letzten Quartals 2007 fortgesetzt. Über weite Teile des Jahres hatten Anleger riesige Summen in die asiatischen Aktienmärkte investiert, trotz steigender Rohstoffpreise und des Risikos eines durch die Subprime-Krise ausgelösten Dominoeffekts. In dem Bemühen von den hervorragenden wirtschaftlichen Rahmendaten und dem langfristigen Wachstumspotenzial der Region zu profitieren, wurde Kapital teilweise recht wahllos investiert. Davon profitierten zunächst zyklische Sektoren und die Schwerindustrie.

Doch der ebenso phänomenale wie spekulative Höhenflug der Aktienkurse und deren zunehmend überzogene Bewertungen waren Young zufolge nicht haltbar. Die globale Kreditkrise löste im letzten Quartal einen massiven Kursrutsch besonders bei zyklischen Werten und chinesischen Finanztiteln aus. Trotzdem konnte der MSCI Asia Pacific ex-Japan Index über das gesamte Jahr einen Zuwachs von 37 Prozent verbuchen. "Wenn man bedenkt, wie überhitzt und spekulativ einige Marktsektoren im letzten Jahr agierten, überraschen die jüngsten Kurseinbrüche in Asien nicht", sagt Young. "Wir gehen davon aus, dass die Nervosität, die sich über die letzten beiden Monate an den Märkten aufgestaut hat, auch weiter anhält.

Potenzielle Risikofaktoren

Für asiatische Aktien werde 2008 ein herausforderndes Jahr. Young zufolge sollten Anleger in diesem Zusammenhang besonders auf folgende Risiken achten: Erstens, dass eine Rezession in den USA immer wahrscheinlicher wird. Davon könnten die Exportindustrien betroffen sein, da sich Asien, trotz boomender Inlandsnachfrage, noch nicht vollständig von den entwickelten Märkten abgekoppelt habe. Zweitens seien asiatische Aktien trotz der jüngsten Kurseinbrüche nicht einheitlich bewertet. Das gelte Young zufolge sowohl für die unterschiedlichen asiatischen Märkte als auch für Einzelaktien innerhalb einzelner Volkswirtschaften. Vor allem chinesische Titel und zyklische Werte seien zu positiv bewertet. Drittens könnten steigende Inflationsrisiken zu einem eher wachstumsfeindlichen Umfeld führen. Steigende Inflation belaste außerdem die Kostenentwicklung von Unternehmen.

Die grundsätzliche Solidität der asiatischen Volkswirtschaften stehe trotzdem außer Frage, so Young. So entsprächen die Wachstumsprognosen, unter Berücksichtigung des schwächeren globalen Wachstums im laufenden Jahr, im Wesentlichen denen des Vorjahres. Zudem seien die Realzinsen weiterhin niedrig und die Region verfüge weiterhin über ausreichend Reserven für die eigenen Volkswirtschaften, obwohl sie den Rest der Welt bisher mit reichlich Liquidität versorgt habe. Durch die steigende Volatilität an den Märkten ergeben sich zunehmend attraktive Kaufgelegenheiten.

Singapur und Indien im Fokus

Aberdeen's Team für asiatische Aktien setzt auf gut geführte und attraktiv bewertete Unternehmen. Seit einiger Zeit sind Aktien aus Singapur und Indien übergewichtet. Der Stadtstaat ist eine der leistungsfähigsten und effizientesten Volkswirtschaften der Region. Hier sind hochwertige, international tätige Unternehmen angesiedelt. Auch Indiens Wirtschaft sei von gut geführten Unternehmen mit attraktiven Wachstumsaussichten geprägt. Hinzu komme die robuste Inlandskonjunktur des Landes.

Chinesische Aktien seien dagegen seit einiger Zeit untergewichtet. Trotz der beeindruckenden Wachstumsentwicklung des Landes sind Qualitätsunternehmen immer noch in der Minderheit. Aberdeen engagiert sich selektiv über in Hongkong gelistete Gesellschaften an chinesischen Wachstumsunternehmen. "Während es in einigen Sektoren und Märkten zu weiteren Korrekturen kommen wird, bieten andere Bereiche Stock-Pickern wie Aberdeen gute Investitionsmöglichkeiten", sagt Young. "Wir werden jede Kursschwäche nutzen, um zu attraktiven Preisen in Qualitätsunternehmen zu investieren." (ir)