Der Chef des Ifo-Instituts Clemens Fuest hält nicht viel von den aktuellen Plänen der "Sondierer" aus CDU/CSU und SPD, im Fall einer ernueten Großen Koalition die Abgeltungsteuer wieder abzuschaffen. Dabei handele es sich um pure Symbolpolitik, kritisierte er im Interview mit dem "Handelsblatt". Die Abgeltungsteuer sollte beibehalten werden, fordert Fuest: "Der Verlust an Steuergerechtigkeit ist nach meiner Einschätzung relativ gering, der Gewinn an Steuervereinfachung für Finanzämter und Steuerzahler aber erheblich."

Eine Abschaffung der Abgeltungsteuer wird dem Fiskus kaum mehr einbringen, schätzt der Ifo-Chef. Das liegt zum einen an den dauerhaft niedrigen Zinsen. Zum anderen legen vermögende Anleger ihr Kapital ohnehin nur zu einem kleinen Teil in festverzinslichen Wertpapieren oder Sparbüchern an, wären also von einer Abschaffung der Abgeltungsteuer quasi nicht betroffen. "Außerdem gibt es Finanzanlagen, bei denen Zinserträge durch Wertzuwächse ersetzt werden. Es würden also neue Formen der Steuervermeidung entstehen", so Fuest.

Fehlende Grundlage
CDU/CSU und SPD wollen die Abgeltungsteuer auf Zinserträge kippen, sofern Koalitionsgespräche zum Ziel führen. Sie würden wieder wie zuvor dann als Teil des Einkommens besteuert. Für Dividendenerträge und Veräußerungsgewinne soll die Pauschalabgabe in Höhe von 25 Prozent weiter anfallen.

Die Zukunft der im Jahr 2009 eingeführten Abgeltungsteuer wird aktuell wieder heiß diskutiert. Ein zentrales Argument der Abschaffungsbefürworter: Weil viele Staaten künftig Konto-Informationen austauschen, wird es kaum noch möglich sein, Kapitalerträge vor dem Finanzamt zu verstecken. Damit falle die Grundlage für die Abgeltungsteuer weg. Die Gegner der Abschaffung weisen darauf hin, dass die Pauschalabgabe die Besteuerung vereinfache – und der internationale Datenaustausch noch nicht reibungslos und umfassend funktioniere. (fp/ps)