Bei ihrer Sitzung am Donnerstag (24.7.) könnte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erstmals seit einem Jahr nicht weiter senken. Im Juni 2024 hatten die Währungshüter damit begonnen, die Geldpolitik zu lockern und den Einlagensatz von vier auf 3,75 Prozent gesenkt. Nach einer Pause beim darauffolgenden Juli-Treffen gab es danach bei allen sieben Sitzungen bis Juni 2025 einen Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten nach unten, sodass der Einlagensatz nach insgesamt acht Senkungen binnen eines Jahres zwei Prozent erreichte.

Für das nun anstehende Treffen rechnet eine klare Mehrheit der von "Bloomberg" befragten Ökonomen mit einer Pause bei der Lockerung der Geldpolitik. Für die danach folgende September-Sitzung erwarten sie allerdings mehrheitlich eine weitere Senkung, mit welcher der Einlagensatz dann bei 1,75 Prozent stehen würde (siehe folgende Grafik).

Vergangenen Monat hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärt, dass der Zinssenkungszyklus sich seinem Ende nähere. Dank eines neutralen Niveaus der Kreditkosten sei man gut aufgestellt, um die erhöhte Unsicherheit zu bewältigen.

Unter den Ratsmitgliedern gibt es indes unterschiedliche Ansichten über die wirtschaftliche Entwicklung. So hat der Gouverneur der Bank von Frankreich, François Villeroy de Galhau, vor Wachstumsbremsen und dem Risiko eines länger anhaltenden Unterschreitens des Inflationsziels von zwei Prozent gewarnt – ein Argument für eine mögliche Zinssenkung. Die Wirtschaft der Eurozone war zwar im ersten Quartal deutlich stärker als erwartet. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos warnte angesichts von Vorzieheffekten jedoch davor, dass das Wachstum im zweiten und dritten Quartal "nahezu stagnieren" könnte.

FONDS professionell ONLINE hat ausgewählte Einschätzungen von Ökonomen, Portfoliomanagern und Anlagestrategen zur Sitzung am Donnerstag und der weiteren Geldpolitik der EZB in der Bilderstrecke oben für Sie zusammengetragen, einfach durchklicken! (Bloomberg/ohm)