Im kommenden Jahr wird die Eurozone mit mehr als zehn Billionen Euro in der Kreide stehen. Vor der Finanzkrise waren es rund sechs Billionen Euro – die Staatsverschuldung ist um mehr als 60 Prozent gestiegen. Die Bilanz von Star-Capital-Chef Peter E. Huber acht Jahre nach dem Crash fällt ernüchternd aus: "Null Zinsen, null Inflation, null Wachstum."

Sparer, Versicherer und Pensionskassen wissen nicht mehr, wie sie die drohende Altersarmut verhindern sollen. Am schlimmsten trifft es die Banken. "Die Negativzinsen sind der letzte Sargnagel für das klassische Kreditgeschäft", sagt Huber.

Die Forderungen der Notenbanken nach Fiskalprogrammen zur Infrastrukturfinanzierung sind nach Ansicht des Fondsmanagers aus schierer Verzweiflung geboren. Über weitere Schulden solche Projekte zu finanzieren, sei blanker Unsinn – zumal man wegen der Bürokratie mit einer Planungsphase von mehr als zehn Jahren rechnen müsse. Huber fordert: "Die Europäische Zentralbank sollte ihre Negativzinspolitik sofort beenden und das Tapering einleiten. Statt zinslose Anleihen sollte sie lieber in großem Stil Aktien kaufen und damit in Sachwerte und Produktivkapital investieren."

Zinswende jetzt – aber langsam
Der Fondsmanager verweist auf Erfahrungen anderer Ländern. Die Bank of Japan etwa hat in den vergangenen dreieinhalb Jahren 38 Prozent aller Staatsschulden aufgekauft, unter anderem von Pensionskassen, damit diese Aktien erwerben können. Das progressivste Konzept sieht Huber in der Schweiz. Die Schweizerische Notenbank druckt Geld und kauft damit ausländische Währungen, um den Franken stabil zu halten. Einen Teil dieser Devisen legt sie in Aktien an. Insgesamt hat sie bereits für mehr als 130 Milliarden US-Dollar Aktien erworben und kauft weiter zu. "Ein einfacheres System der Vermögensbildung kennen wir nicht", so Huber.

Die EZB hat sich in eine Sackgasse manövriert, ist der Fondsmanager überzeugt. Durch Regulierungsmaßnahmen hat sie Banken und Versicherer quasi gezwungen, in die Staatsfinanzierung einzusteigen. Hubert findet es fragwürdig, dass Staatsanleihen weiterhin als risikolos eingestuft werden und für sie kein Kapital zu hinterlegen ist, während für Aktien 35 Prozent fällig werden. Wolle die EZB eine Katastrophe vermeiden, müsse sie nun ganz behutsam die Zinswende einleiten. (fp)