Mit der krankheitsbedingten Rücktrittsankündigung des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe am vergangenen Freitag (28. August) endet eines der weitreichendsten wirtschaftspolitischen Experimente der vergangenen Jahrzehnte, so die Frankfurter Allgemeiner Zeitung (FAZ). Abe hat die Geld- und Fiskalpolitik seines Landes eng verwoben. Auf sein Drängen hin hatte die Bank von Japan 2013 mit einer scharfen geldpolitischen Lockerung begonnen und die Ankäufe von Staatsanleihen und auch von Aktien drastisch erhöht. 

Die Ziele der "Abenomics" getauften Strategie: Den Yen schwächen, Liquidität in die Wirtschaft schleusen und deflationäre Tendenzen überwinden. Etwa 45 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen hat die Notenbank mittlerweile auf ihre Bücher genommen, schreibt die FAZ weiter. Steigen die Zinsen, drohen der Bank horrende Verluste. Der Regierung indes komme die Niedrigzinspolitik gerade recht, weil sie den Schuldendienst der unter Abe stetig gestiegenen Staatsverschuldung deutlich erleichtert.

Yen im Fokus
Finanzmarktanalysten äußern in ersten Reaktionen die Erwartung, dass die neue Regierung den inhaltlichen Kern der Abenomics beibehält. "Anleger sollten keine großen Verwerfungen bei japanischen Staatsanleihen erwarten. Zentralbank und Schatzamt kontrollieren den Markt streng, und das dürfte auch so bleiben", sagt Paul Brain, Head of Fixed Income bei Newton Investment Management. Anders sehe es für die Währung aus: Der Yen könnte von der politischen Unsicherheit in Mitleidenschaft gezogen werden. Da auch der US-Dollar aufgrund der anhaltend lockeren Geldpolitik weiterhin schwach bleibe, sollte der Yen gegenüber dem US-Dollar nicht allzu sehr fallen, so Brain. "Doch andere Währungen wie der Euro und rohstoffbasierte Währungen könnten besser abschneiden", sagt der Experte.  

Andererseits könnten Marktteilnehmer versucht sein, den Yen stärker zu machen, sagt John Vail, Chief Global Strategist von Nikko Asset Management: "Es ist schwer vorstellbar, dass ein Nachfolger im In- und Ausland so energisch gegen eine Yen-Stärke vorgehen könnte, aber sicherlich nicht unmöglich, wenn er dies in einer äußerst energischen Weise erklärt und im Voraus Gegenmaßnahmen vorgeschlagen werden." Eine Stärkung des Yen sieht Vail vor allem dann als denkbar an, wenn sich nach Abe auch Finanzminister Kuroda und Zentralbankchef Aso von ihren Ämtern zurückziehen würden. Beide hatten sich in der Vergangenheit wie Abe gegen eine Aufwertung des Yen stark gemacht. (fp)