Nachhaltige Anleihen haben in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Die weltweiten Emissionen haben sich von nur 38 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015 auf 226 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020 versechsfacht. Das bedeutet einerseits zwar mehr Auswahl für Anleger. Sie müssen aber auch mehr aufpassen, dass sie sich keine Mogelpackungen ins Portfolio holen. "Viele Emittenten, die zum ersten Mal eine Anleihe mit einem Gütesiegel ausgeben, tun dies opportunistisch, um von den niedrigen Zinssätzen im Vergleich zu normalen Finanzierungen zu profitieren", sagt James Rich, Senior Portfoliomanager bei Aegon Asset Management.

Die Abwesenheit eines gemeinsamen Standards für nachhaltige Anleihen ebnet Greenwashing den Weg. Dabei klassifizieren Fondsanbieter Papiere als nachhaltig, die dieses Versprechen bei genauerer Betrachtung nicht halten können. "Viele Unternehmen versäumen es, versprochene Berichte über ihre gelabelten Anleihen zu veröffentlichen oder berichten nur unzureichend über die Kennzahlen, die für die Messung des Erfolgs der identifizierten Projekte am wichtigsten sind", sagt Rich. 

Langfristige Strategie oder Eintagsfliege?
Investoren sollten jede Emission auf fünf Schlüsselbereiche hin untersuchen, rät Rich: In welche Projekte fließen die Erlöse? Wie ist es um die Corporate Governance bestellt? Berücksichtigt der Anbieter Leitfäden für nachhaltige Anleihen wie zum Beispiel die Green Bond Principles der International Capital Market Association? Wie umfangreich ist die Berichterstattung? 

Schließlich lohnt sich auch der Blick auf die generelle Ausrichtung des Anbieters. Handelt es sich bei der Emission um eine einmalige Angelegenheit oder ist sie Teil einer langfristigen Strategie, um den ökologischen und sozialen Fußabdruck des Unternehmens zu verbessern? "Dieser wichtige Schritt kann helfen, sich auf den breiteren Ansatz des Emittenten zur langfristigen Nachhaltigkeit zu konzentrieren", sagt Rich. (fp)