Wie viele andere Geldhäuser muss die ING ihre Kunden derzeit im Nachhinein um deren Zustimmung für das Erheben von Kontogebühren bitten. Ein Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) legte im April fest, dass eine stillschweigende Zustimmung der Kunden bei Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht rechtskonform sei. Die ING will das Einverständnis ihrer Kunden nun ab November digital einholen, zitiert das "Handelsblatt" ING-Deutschland-Chef Nick Jue. "Wir werden alles machen, um die Zustimmung der Kunden zu bekommen. Am Ende brauchen wir die Zustimmung der Kunden, um weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten", sagt Jue.

Sind die so adressierten Kontoinhaber allerdings nicht bereit, den Gebühren zuzustimmen, haben sie im Zweifel keine andere Wahl. "Bei Kunden, die nicht zustimmen, behalten wir uns in einem letzten möglichen Schritt eine Kündigung der Konten vor", mahnte Jue. Bislang war die Zustimmungsquote laut Angaben des ING-Deutschland-Chefs allerdings ohnehin hoch. "Im Juli haben wir bereits einige Tausend Sparkunden bezüglich der Einwilligung zum Verwahrentgelt angeschrieben, und die Zustimmungsquote war sehr gut. Daher bin ich zuversichtlich, dass die meisten das machen werden."
 
Gebühren ab 50.000 Euro
Bislang erhebt die Direktbank solche "Strafzinsen" erst ab Guthaben von 50 000 Euro aufwärts. Laut Angaben von Jue sind im ersten Halbjahr 2021 trotz dieses Gebührenextras immerhin 34.000 neue Privatkunden dazugekommen. Generell lief es im laufenden Jahr für die Bank bislang besser als im Vorjahr. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres zählte das Kreditinstitut einen Vorsteuergewinn von 437 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum nur 394 Millionen Euro. (fp)