Für das BU-Produktrating 2019 hatte das Analysehaus Franke und Bornberg bereits zu Jahresbeginn die Bewertungsgrundlagen grundlegend aktualisiert. "Ratings müssen auf Veränderungen im Markt sachgerecht reagieren", sagte Michael Franke damals. Im März folgte das BU-Unternehmensrating. "Es ist die einzige Untersuchung am deutschen Markt, bei der die Ergebnisse auf umfangreichen Stichproben bei den Unternehmen vor Ort beruhen", erklärte der geschäftsführende Gesellschafter von Franke und Bornberg seinerzeit.

Nun hat das Ratingunternehmen sich die Grundfähigkeitsversicherung erneut vorgenommen. Grund: Das Ziel, 2014 mit dem seinerzeit ersten Rating zu Grundfähigkeitsversicherungen im deutschen Markt Transparenz zu schaffen und verlässlichen Standards den Weg zu ebnen, ist noch immer nicht erreicht. "Die angestrebten Standards konnten sich bislang nicht etablieren", stellt Franke ernüchtert fest.

Insbesondere bei den versicherten Grundfähigkeiten sei in den letzten Jahren ein kreativer Wildwuchs zu beobachten. Die Analysten entdecken zunehmend "neue Grundfähigkeiten" wie Fahrradfahren, Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs oder Lkw und Bus fahren. Sogar die Bedienung von Mobiltelefonen wurde inzwischen von einigen Versicherern zur Grundfähigkeit erklärt. Dabei handele es sich aber nicht immer um tatsächlich eigenständige Leistungsdefinitionen.

Vertrauen wichtiger als Kreativität
Im Laufe von gerade einmal zehn Jahren ist eine vielfältige und bunte Produktlandschaft entstanden, konstatiert Franke. Doch mit dem Wunsch nach Alleinstellungsmerkmalen verhagelten sich Versicherer die Vertriebsbilanz und verunsicherten Vermittler und Verbraucher. "Bei einem jungen Produktsegment geht es erst einmal um Vertrauen, und das erreicht man nicht mit Marketing-Gags im Randbereich der Produkte", kritisiert Franke.

Im Kern des Produkts müsse auf eine qualitativ gute Abdeckung der wichtigsten Grundfähigkeiten geachtet werden, was nicht immer der Fall sei. Standards bei den wesentlichen Grundfähigkeiten seien eine wesentliche Voraussetzung für mehr Akzeptanz und bessere Abschlussraten.

Warum Mindeststandards unverzichtbar sind
"Für die sachgerechte Bewertung von Grundfähigkeiten sind Mindeststandards unverzichtbar", weiß Christian Monke, Leiter Analyse bei Franke und Bornberg. Der Begirff "Grundfähigkeiten" klingt zunächst eindeutig: Stehen, Sitzen, Gehen, Hände gebrauchen, Knien oder Bücken – davon hat schließlich jeder eine klare Vorstellung. "Doch beim Blick ins Kleingedruckte ist es mit der Klarheit schnell vorbei. Lediglich die Überschriften sind vergleichbar, doch dann fasst jeder Anbieter unterschiedliche Tätigkeiten mit eigenen Definitionen", weiß Monke.

Was der eine Versicherer beispielsweise unter der Rubrik "Arme gebrauchen" verbucht – nämlich das Heben eines schweren Gegenstandes von einem Tisch – sieht ein anderer Anbieter als "Heben und Tragen" an. Dafür fehlen dann gegebenenfalls weitere Leistungsdefinitionen, die eine andere Art der Beweglichkeit der Arme voraussetzen. Die fatale Konsequenz: Der Anspruch auf Leistungen steht und fällt mit der jeweiligen Umschreibung.

Eigenes Grundfähigkeiten-Raster
Um sicherzustellen, dass ein Top-Grundfähigkeitsprodukt alle gängigen Fähigkeiten und Bewegungseinschränkungen abdeckt, haben die Analysten ein eigenes Grundfähigkeiten-Raster entwickelt. Alle Leistungsdefinitionen der Versicherer werden darin fachlich eingeordnet – völlig unabhängig davon, unter welcher Rubrik der jeweilige Versicherer die Fähigkeit führt.

Das neue Rating prüft auf dieser Grundlage für insgesamt 13 Kern-Grundfähigkeiten, ob eine entsprechende Definition in einer ausreichenden Wertigkeit im Bedingungswerk aufgeführt ist. Diese Kern-Grundfähigkeiten sind:

  1. Sehen
  2. Hände gebrauchen (Geschicklichkeit)
  3. Hände gebrauchen (Kraft aufwenden)
  4. Sprechen
  5. Hören
  6. Gehen
  7. Treppen steigen
  8. Knien oder bücken
  9. Stehen
  10. Arme gebrauchen
  11. Heben und tragen
  12. Autofahren
  13. Sitzen

Ergebnisse im Detail
Für das aktuelle GF-Rating hat Franke und Bornberg 45 Tarife von 17 Gesellschaften nach 71 Kriterien untersucht. Unterschieden wurde bei den Ergebnissen nach Grundfähigkeit und Grundfähigkeit Plus. "Die Leistungsunterschiede sind beträchtlich", sagt Franke. Nur Tarife, die in den Kern-Grundfähigkeiten eine solide Qualität liefern, erreichen die Höchstwertung FFF+. Dies trifft aktuell für neun Tarife von fünf Versicherern zu.  

Bei Grundfähigkeit (nach Art der Lebensversicherung) wurden 26 Tarife bewertet. Die Höchstbewertung schafften diese sechs Tarife:

  • Allianz – KörperSchutzPolice E 230 Stand 06.2019
  • Canada Life – Premium Grundfähigkeitsschutz Stand 01.2019
  • die Bayerische – ExistenzPlan kreativ Stand 02.2019
  • die Bayerische – ExistenzPlan aktiv Stand 02.2019
  • Gothaer – Gothaer Fähigkeitenschutz Premium Stand 01.2019
  • Nürnberger – Grundfähigkeitsversicherung Premium Stand 06.2019.

Bei Grundfähigkeit Plus (Zusatzleistungen bei schweren Geberechen) wurden 19 Tarife bewertet.  Die Höchstbewertung schafften diese drei Tarife:

  • Allianz – KörperSchutzPolice E 230 Stand 06.2019, Baustein schwere Krankheiten (24 Monatsrenten)
  • Canada Life – Premium Grundfähigkeitsschutz Stand 01.2019, Baustein Schwere Krankheit
  • Nürnberger – Grundfähigkeitsversicherung Premium Stand 06.2019, Ernstfall Schutz- Zusatzversicherung (NESZ2018C).

Die aktuellen Bewertungsrichtlinien sowie die vollständigen Ergebnisse für Grundfähigkeit (nach Art der Lebensversicherung) und Grundfähigkeit Plus (zusätzlicher Schutz bei schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen) sind kostenlos im Internet einsehbar. (dpo)