Weder die Europäische Zentralbank (EZB) noch die US-Notenbank Fed dürften auf ihren kommenden Sitzungen mit geldpolitischen Überraschungen aufwarten, sagt Franck Dixmier, Anleihechef von Allianz Global Investors (AGI). "Bis Ende des Jahres sollten sich Anleger auf zwei weitere Zinserhöhungen in den USA einstellen", erklärt er. In Europa müssen sich Investoren dagegen noch etwas gedulden, bis ein fixer Termin für die erste Zinsanhebung seit mehr als einer Dekade feststeht. "Die EZB-Sitzung im Juni war mit dem angekündigten Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik inhaltlich schon sehr aufgeladen", so Dixmier.

Viel zeitlichen Spielraum für den ersten Zinsschritt hat die EZB indes nicht mehr. "Das richtige Gleichgewicht zwischen Falken und Tauben hat es der Notenbank ermöglicht, den Anfang vom Ende der lockeren Geldpolitik relativ reibungslos anzukündigen. Aber die fehlende Flexibilität hinsichtlich der angekündigten Zinserhöhung dürfte problematisch werden", prophezeit der Anleiheexperte. Sollte EZB-Chef Mario Draghi zurückrudern, würde das seine Glaubwürdigkeit beschädigen. Entsprechende Statements sind deshalb nicht zu erwarten. "Tiefergehende Fragen, wie sich die Prognosen mit der Entwicklung von Risiken, Märkten sowie Wirtschaftsdaten ändern können, stellen sich wohl erst im Laufe des Jahres", sagt Dixmier.

Wiederanlagepolitik hinterlässt Fragezeichen
Draghis Mangel an geldpolitischen Optionen könnte in mehrfacher Hinsicht zu einem Sorgenquell für Investoren werden. "Die Wiederanlagepolitik der EZB ist ein weiteres wichtiges Thema für die Märkte", erklärt der AGI-Experte. In den kommenden zwölf Monaten dürfte sich die Wiederanlagesumme fälliger Rentenpapiere auf 150 Milliarden Euro belaufen. "Bis heute gibt es keine Klarheit zur Investitionsstrategie", so Dixmier. "Deswegen erwarten wir, dass ein Rahmen mit genügend Flexibilität aufgezeigt wird, um vom kurzfristigen Kapitalschlüssel der EZB abzuweichen und Durationsverlusten im Portfolio mit längerfristigen Wertpapieren entgegenzuwirken." (fp)