Aktien-Experte: "Es ist Zeit für den Rest der Welt"
Der Chef für Kernaktien bei Alliance Bernstein hält den Zeitpunkt für günstig, um globale Aktienportfolios weniger US-lastig auszurichten. Das bietet seiner Meinung nach einige Vorteile.
Es gibt erste Anzeichen dafür, dass die US-Dominanz an den globalen Aktienmärkten schwindet, meint Kent Hargis, Anlagechef im Strategic-Core-Equities-Team bei Alliance Bernstein. Für Anleger, die sich 2026 von den USA weg diversifizieren möchten, könnte die Stunde gekommen sein.
Geringeres Konzentrationsrisiko in Nicht-US-Märkten
In den vergangenen elf Jahren übertrafen US-Aktien ihre Pendants außerhalb der USA oft um beträchtliche Margen. 2025 kehrte sich dieses Muster jedoch dramatisch um. Die wachsende Marktkonzentration sei der Grund für die US-Dominanz in den vergangenen Jahren – und gleichzeitig ein potenzielles Risiko, so Hargis. Zu Beginn des Jahres 2026 machten die zehn größten US-Aktien nach Marktkapitalisierung 40 Prozent des S&P 500 aus.
Der Experte warnt: "Eine hohe Konzentration auf den US-Markt verwässert die Vorteile der Diversifizierung. Anleger sind dadurch einer nur kleinen Anzahl von Unternehmen in einem Sektor ausgesetzt." Dies wiederum führe zu der erheblich höheren Volatilität des S&P 500 im Vergleich zum Rest der Welt. Im Gegensatz dazu würden die Nicht-US-Märkte mehr Möglichkeiten zur Sektorallokation und ein größeres Diversifizierungspotenzial bieten.
Dazu verschleiere hohe Marktkonzentration die Quelle der Aktienperformance. Beim Gewinnwachstum habe der S&P 500 den MSCI EAFE in den vergangenen zehn Jahren übertroffen. Allerdings wurde diese Differenz hauptsächlich von den hochfliegenden "Glorreichen Sieben" gefüttert. "Ohne die Gewinne von Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon, Meta (Facebook), Nvidia und Tesla würde das Gewinnwachstum des S&P 500 dem des MSCI EAFE ähneln", sagt Hargis. Das unterstreiche einen weiteren wichtigen Punkt: "Das Gewinnpotenzial von Nicht-US-Unternehmen ist nicht inhärent unterlegen."
Gute Aussichten außerhalb der USA
Unterm Strich sieht er die Lage für Nicht-US-Aktien recht positiv. Zwar dürften US-Aktien bei der globalen Allokation auch in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen. Aber nach einer Zeit, in der viele Anleger den Schwerpunkt ihres Portfolios in den USA gesetzt haben, könnte nun die passende Gelegenheit sein, Allokationen auszugleichen und das Portfolio so auszurichten, dass sich die Chancen einer breiten Palette von Ertragstreibern auf der ganzen Welt nutzen lassen. (jh)




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