Die Dividendenlandschaft in Deutschland befindet sich im Wandel, sagt Dyrk Vieten, Geschäftsführer der Ficon Vermögensmanagement. Sinkende Ausschüttungen in Schlüsselindustrien wie dem Automobilsektor und veränderte Ausschüttungsformen stellen die Qualität klassischer Dividendenstrategien zunehmend infrage.

Flaute bei Ausschüttungen
"Der Blick auf die Dividenden deutscher Unternehmen ist 2026 wenig erbaulich", so Vieten. Besonders bei den großen Autobauern wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen würden sich sinkende Ausschüttungen abzeichnen. In Summe werde mit einem Minus von rund 3,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Zugleich ließen viele Dividendenindizes zuletzt spürbar an Dynamik vermissen und offenbarten nun ihre Schwächen.

Die Underperformance vieler Dividendenkörbe in den vergangenen Jahren erklärt sich seiner Meinung nach aus ihrer Struktur: "Dividendenstrategien investieren überdurchschnittlich in reife Geschäftsmodelle und ausschüttungsstarke Sektoren. Sie sind dadurch in Boomphasen seltener in den großen Technologiegewinnern investiert, die den breiten Index überproportional treiben." In Deutschland zeige sich diese Spreizung klar: Auf Fünf-Jahres-Sicht legte der Dax wesentlich stärker zu als der Div-Dax. 

Die zweite, weniger beachtete Ursache sieht Vieten in der Verschiebung der Ausschüttungsformen. Viele Unternehmen würden den Shareholder Return zunehmend über Aktienrückkäufe steuern. "Eine reine Dividendenbrille sieht dann nur einen Teil des Rückflusses an die Aktionäre", sagt der Finanzexperte.

Qualität statt Ausschüttung
Die zentrale Frage lautet für ihn weniger, ob Dividenden "funktionieren", als vielmehr, welche Qualität ein Portfolio tatsächlich enthält. Im aktuellen Umfeld sieht er gleich mehrere Argumente für eine strengere Prüfung: "Steigende Kapitalkosten erhöhen den Druck auf hoch verschuldete Geschäftsmodelle; Refinanzierungen und Gewinnrevisionen können Ausschüttungen in zyklischen Branchen in kurzer Zeit reduzieren", so Vieten. Eine hohe Dividendenrendite sollte daher nicht automatisch als Stabilitätsindikator gelten. Nachhaltiger sei eine Ausschüttung, wenn sie regelmäßig aus dem Free Cashflow finanziert wird, die Ausschüttungsquote ausreichend Spielraum für Investitionen lässt und die Verschuldung zu Zinsniveau und Laufzeiten passt.

Für Vieten steht fest: "Am stabilsten fahren Anleger, wenn Dividendenstrategien als Teil eines Total-Return-Ansatzes verstanden werden und Ausschüttungen nur einen Bestandteil der Gesamtrendite darstellen." (jh)