Sachwerte sind in Form von Grund und Boden, Immobilen oder Rohstoffen von jeher Krisenprofiteure. Im sechsten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise ermuntern zusätzlich aufkommende Inflationsszenarien sowie Enteignungsängste die Suche der Investoren nach verlässlicheren Werten. "Unter den Vorzeichen unverändert schwankungsintensiver Börsen steigt die Nachfrage nach realen und greifbaren Assets, deren Wertschöpfung transparent und nachvollziehbar ist", erklärt dazu Axel Stiehler, Geschäftsführer der unabhängigen Investmentgesellschaft Aquila Capital.

"Wesentliche Eigenschaften einer echten Realwertanlage fehlen"
Das Risiko zu minimieren und Renditen oberhalb der Inflationsrate zu erzielen, seien dabei die beiden wichtigsten Nachfragetreiber. "Viele Investoren verstehen unter Sachwerten allerdings Assets, denen aus unserer Sicht wesentliche Eigenschaften einer echten Realwertanlage fehlen", so Stiehler. "Zu diesen wesentlichen Merkmalen einer Sachwertanlage zählen für uns ein klar definiertes Ertragspotenzial und die Entkopplung von börsenpsychologischen Einflüssen.2

"Börsennotierte Aktie ist definitiv kein Sachwert"
So entscheide zum Beispiel die Investmentstruktur darüber, wie stark Investoren tatsächlich an den Chancen von Sachwerten partizipieren. Denn regelmäßig würden auch Aktien zu dieser Anlageklasse gezählt. „Bei der börsennotierten Aktie ist es aus meiner Sicht allerdings prinzipiell ein klarer Fall: Sie ist definitiv kein Sachwert, vor allem kurzfristig nicht", erklärt Stiehler. "Sie hat ein starkes psychologisches Moment, das heißt, sie reagiert mit deutlichen Übertreibungen nach oben und unten auf unerwartete Nachrichten." Erst kürzlich habe eine Studie  nachgewiesen, dass DAX-Aktien unmittelbar auf Nachrichten aus den USA oder Asien reagieren – während Konjunkturdaten aus Deutschland nur einen geringen Einfluss auf die Kursbewegungen deutscher Aktien aufweisen würden. Der Aktienwert spiegele die am Markt vorherrschende Stimmung deutlich wider, der eigentliche Unternehmenswert bilde dafür besonders in schwankungsintensiven Phasen lediglich eine ungefähre Bezugsgröße.

"Dass die Aktie kein Sachwert ist, wird noch dadurch verstärkt, dass sie kaum materielle Vermögenswerte abbildet", so Stiehler. Schaue man in die Bilanzen börsennotierter Unternehmen, so stelle man fest, dass sich darin zu einem Großteil verbriefte Forderungen befinden.

Gold dagegen erfülle zwar die Vorgabe, als Rohstoff einen nachvollziehbaren Eigenwert zu besitzen. Da sich der Handel mit Gold aufgrund seiner täglichen Preisfeststellung aber zu einer Mischform zwischen Realwirtschaft und Börsenhandel entwickelt habe, weise es ebenfalls eine bedeutende Abhängigkeit von den Finanzmärkten auf. Zudem verfüge Gold über keine Ertragskomponente.

Was ist denn dann ein echter Sachwert?
"Finanzmarktunabhängig orientieren sich Sachwerte bei ihrer Wertentwicklung weitestgehend exklusiv an der Ertragskomponente, die wiederum von der Angebots- und Nachfragesituation ihres spezifischen Marktes abhängig ist", bringt Stiehler seine Sicht in der Frage, was denn nun ein echter Sachwert ist, auf den Punkt. "So bilden sie den tatsächlichen Wert ab." Dieser ergebe sich aus der dem Sachwert eigenen Wertschöpfungskette. „Wer zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Markt in das richtige Asset investiert, hat schon die Hälfte richtig gemacht“, ist sich der Aquila-Experte sicher. „Mit einem erfahrenen Asset Management bieten Sachwertinvestments so einen echten Mehrwert.“

Nach Stiehlers Auffassung partizipieren Investoren am stärksten daran über direkte Beteiligungen und in Form der neuen Investment KG. Sie biete – verstärkt im Zuge der AIFM-Regulierung – hohe Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Als Beispiel für Assets, die den Sachwertcharakter voll ausschöpfen, nennt Stiehler Erneuerbare Energien oder das Thema Produktion von Agrargütern. "Weltweite Verknappungstendenzen sind der klare Werttreiber", so der Aquila-Geschäftsführer. "Global steigt der Nahrungsmittelbedarf, ebenso wie die Energienachfrage. Um die Ressourcennachfrage einer wachsenden Weltbevölkerung befriedigen zu können, sind private Investitionen ein wesentlicher Schlüssel." (hh)

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