Aktienexperte: Wo Chinas E-Auto-Boom wirklich Chancen bietet
Wer vom chinesischen E-Auto-Boom profitieren will, sollte nicht nur auf die Hersteller schauen. Laut Lazard Asset Management bieten vor allem Zulieferer, Batterie- und Rohstoffunternehmen attraktive Investmentchancen – auch weit über China hinaus.
Während viele Anleger beim Thema Elektromobilität vor allem auf Hersteller wie BYD blicken, liegen die interessantesten Investmentchancen nach Einschätzung von Rohit Chopra, Portfoliomanager im Emerging-Markets-Equity-Team von Lazard Asset Management, entlang der Batterie-, Rohstoff- und Komponentenlieferketten.
China bleibt trotz steigender Zölle und zunehmender geopolitischer Spannungen das Zentrum der globalen Elektroautoindustrie. Das Land vereint mehr als die Hälfte des weltweiten Elektrofahrzeugabsatzes auf sich und verfügt über eine dominante Stellung bei Batterien und kritischen Rohstoffen. Nach Angaben von Lazard kontrollieren chinesische Unternehmen mehr als 70 Prozent der weltweiten Lithiumraffination und rund 85 Prozent der Kobaltverarbeitung. Die Batteriehersteller CATL und BYD kommen zusammen auf rund 55 Prozent der weltweit in Elektrofahrzeugen verbauten Batterien.
Zulieferer statt Autobauer
"Viele Investoren konzentrieren sich auf die Automobilhersteller selbst. Aus unserer Sicht ist jedoch die Kontrolle über die Lieferkette mindestens ebenso wichtig", sagt Chopra. Entscheidend sei, wer die Materialien, die Chemie und die Fertigungsinfrastruktur kontrolliere, die Elektrofahrzeuge überhaupt erst ermöglichen.
Besonders interessant seien daher Unternehmen, die tief in globale Lieferketten eingebunden sind und über nachhaltige Wettbewerbsvorteile verfügen. Als Beispiel nennt Chopra die chinesische Minth Group, die sich zum weltweit führenden Anbieter von Batteriegehäusen entwickelt hat und zahlreiche internationale Automobilhersteller beliefert.
Zölle bremsen Expansion nicht
Handelsbarrieren hätten die internationale Expansion chinesischer Unternehmen bislang kaum aufgehalten, so Chopra. Stattdessen reagieren viele Hersteller mit dem Aufbau regionaler Produktions- und Lieferstrukturen. Zwischen 2014 und 2025 investierten chinesische Elektrofahrzeug- und Batterieunternehmen laut Lazard rund 143 Milliarden US-Dollar in Auslandsprojekte. Neue Produktionsstandorte entstanden unter anderem in Deutschland, Ungarn, Spanien und Brasilien.
Nach Ansicht von Chopra stärkt diese Strategie die globale Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen zusätzlich. Die Kombination aus technologischem Know-how, Kostenvorteilen und lokaler Produktion mache es für Wettbewerber zunehmend schwierig, Marktanteile zurückzugewinnen.
Schwellenländer profitieren
Von der Entwicklung profitieren nach Einschätzung des Lazard-Experten auch zahlreiche Emerging Markets. China habe seine führende Position unter anderem durch enge Verbindungen zu Rohstofflieferanten in Chile, Argentinien, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo aufgebaut. Mit der weiteren Internationalisierung der Lieferketten entstünden dort zusätzliche Verarbeitungs- und Raffineriekapazitäten.
Fazit: Die eigentlichen Investmentchancen liegen laut Chopra nicht bei den bekannten E-Auto-Marken, sondern in den weniger beachteten Bereichen der Wertschöpfungskette. Dazu zählen Batteriehersteller, Produzenten von Batteriematerialien, Komponentenlieferanten sowie Unternehmen aus den Bereichen Lithium, Nickel und Kobalt. Auch der Ausbau von Raffinerie- und Verarbeitungskapazitäten in Schwellenländern könnte Anlegern langfristig attraktive Wachstumschancen eröffnen. Diese Segmente profitieren vielfach direkter vom strukturellen Wachstum der Elektromobilität als die Automobilhersteller selbst. (dv)













