Eigentlich sollte der Kurs beim Kauf einer Aktie keine große Rolle spielen. Er zeigt zwar an, wie viel Geld Anleger für ein einzelnes Papier bezahlen – sagt für sich genommen aber nichts darüber aus, was die Aktie fundamental wert ist. Für diese Einschätzung muss man zusätzlich etwas über den Gewinn des Unternehmens wissen. Dennoch lohnt es sich, zu niedrigen Kursen einzusteigen. Darauf deutet zumindest eine Untersuchung des Multi-Family-Office HQ Trust hin.

Fondsmanager Sven Lehmann hat Aktien aus unterschiedlichen Ländern und Regionen analysiert und sie monatlich – je nach Höhe ihres Kurses – in zehn gleich große Dezile einsortiert. Anschließend verglich er den Ertrag des Mittelwerts eines jeden Dezils im Folgemonat mit dem Mittelwert aller Aktien. Das verblüffende Ergebnis: Niedrigpreisige Aktien entwickelten sich im Schnitt besser. "Das Phänomen, dass Aktien mit einem absolut niedrigen Preis besser performen, existiert im Mittel über die vergangenen 40 Jahre und in unterschiedlichen Regionen", bestätigt Lehmann. "Trotz zum Teil erheblicher Abweichungen vom Mittel gilt die Aussage, dass eine Aktie im Schnitt umso besser läuft, je niedriger ihr Kurs ist."

In Bullenmärkten auf Schnäppchenjagd gehen
Im Mittel liefen die "Kurszwerge" aus dem zehnten Dezil in allen Regionen im Untersuchungszeitraum am besten, erklärt der HQ-Trust-Experte. Die Aktien mit dem höchsten Kurs aus Dezil Nummer eins entwickelten sich dagegen am schlechtesten. Zumindest teilweise hängt die Wertentwicklung auch von der Marktphase ab: "Den Mehrertrag liefern Aktien mit niedrigem Preis meist, wenn der Markt stark steigt", präzisiert Lehmann. "Hoch notierte Aktien liefern ihre Outperformance dagegen eher bei Markteinbrüchen." (fp)