Früh übt sich, was ein Börsenüberflieger werden will? Von wegen! Viele der prominenten Performanceraketen am Aktienmarkt hatten zunächst mit erheblichen Ladehemmungen zu kämpfen. "In der Vergangenheit starteten manche 'Superaktien‘ so holprig, dass einige Investoren wohl kalte Füße bekommen hätten“, erläutert Sven Lehmann. Um zu diesem Schluss zu kommen, hat der Fondsmanager von HQ Trust in den Rückspiegel geschaut. Lehmann ermittelte, welche Aktien den marktbreiten MSCI ACWI (MSCI All Country World Index) seit 1994 zehn Jahre in Folge im Schnitt um zehn Prozent pro Jahr übertroffen haben. Insgesamt trifft das immerhin auf 1.665 unterschiedliche Aktien zu, wobei die Überrendite natürlich in mehreren Zeiträumen auftauchen kann.

Dass diese Outperformance keineswegs linear verlaufen ist, zeigt seine Analyse. Untersucht wurden alle Aktien, die sich derzeit im MSCI ACWI befinden. Die Berechnungen fanden immer zum Start eines Kalenderjahres statt. Resultat: Aktien, die über zehn Jahre den MSCI AWCI mit mehr als zehn Prozent pro Jahr geschlagen haben, hatten zum Teil erhebliche Startprobleme.

Quelle: HQ Trust; Datastream

Lehman führt aus: "Nach dem ersten Jahr haben zwar rund zwei Drittel der Top-Performer besser abgeschnitten als der Markt. Das bedeutet aber auch, dass dies einem Drittel nicht gelungen ist. Deren Underperformance ist zum Teil erheblich: Rund zwölf Prozent der 'Superaktien‘ lagen nach einem Jahr mindestens 25 Prozent relativ hinter dem Vergleichsindex, drei Prozent der Papiere sogar um mehr als 50 Prozent.“ Nach drei Jahren hatte sich der Prozentwert der Outperformer unter den 'Superaktien‘ zwar auf 84 Prozent erhört. "Das bedeutet aber im Gegenzug: Jede sechste Aktie rangiert weiterhin hinter dem MSCI ACWI und holt ihre Underperformance erst in den Folgejahren auf“, fasst Lehmann zusammen. "Beim Kauf von Aktien kommt es auch auf Vertrauen und Durchhaltevermögen an: Selbst ein gutes Unternehmen läuft nicht konstant besser als der Markt.“

Beispiel Apple: Die Aktie des Computergiganten, die seit Ende 1995 in 15 Zeiträumen über zehn Jahre den Index immer über zehn Prozent p.a. geschlagen hatte, lag in fünf Fällen im ersten Jahr hinter der Benchmark. In den Jahren 2000 bis 2002 rangierte Apple relativ 52,4 Prozent hinter dem ACWI. Doch Ende 2009 war die Aktie dann satte 492 Prozentpunkte besser als der Index. Lehmann: "In konkreten Zahlen heißt das: Hätte man Ende 1999 sowohl 100 Euro in Apple als auch in den MSCI ACWI investiert, wäre Ende 2002 das Apple-Investment nur noch 26,63 Euro wert gewesen, das Investment in den ACWI aber 56,01 Euro. Ende 2009 hätte man dafür aber 572,87 Euro bei Apple und nur 76,35 Euro beim ACWI zurückbekommen." (kb/ps)