Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, wird sich am 1. Okotber 2019 in den Ruhestand verabschieden und den Stab an seinen Kollegen Ludovic Subran weiterreichen. Zuvor präsentierte er in Wien ein letztes Mal seinen jährlichen Ausblick auf die globale Konjunktur. Diese hat sich über den Sommer weiter eingetrübt: Handelskonflikte und geopolitische Risiken waren die wichtgsten Gründe dafür. Der Welthandel ging im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2018 um 0,9 Prozent zurück. Die globale Industrieproduktion wird im September voraussichtlich das erste Mal seit 2009 schrumpfen. Auch das globale Geldvermögen ist erstmals seit der Finanzkrise gesunken. 

"In unserem Basisszenario gehen wir nach wie vor davon aus, dass durch die Politik eine globale Rezession verhindert werden kann. Allerdings wird das Wachstum der Weltwirtschaft in der nächsten Zeit schwach bleiben“, erklärte Heise. Die Allianz erwartet für 2019 ein Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts von 2,5 Prozent, für 2020 nur noch von 2,3 Prozent. Im Hinblick auf das Thema Brexit ist zumindest etwas Optimismus aufgekommen: "Nach der kürzlich verlautbarten Parlamentsentscheidung, sehe ich die Wahrscheinlichkeit eines 'No-Deal'-Brexits bei ungefähr 15 Prozent. Trotzdem wird es ein langer, zäher, schmerzhafter Prozess", sagte Heise.

Schwächeres Wirtschaftswachstum in Deutschland
Die  verschlechterten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind auch an Europa und insbesondere an Deutschland nicht spurlos vorübergegangen. Nach 1,5 Prozent im Jahr 2018 wird die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2019 und 2020 nur noch um 0,6 Prozent pro Jahr wachsen und damit nur rund halb so schnell wie der Euroraum als Ganzes. Die Kombination aus Exportabhängigkeit, hohem Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung, Fokus auf Investitionsgüter und Automotive sowie die Konzentration der Exporte auf China und Großbritannien hätte sich als sehr ungünstig erwiesen, so Heise.

Nach einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Prozent im zweiten Quartal 2019 und angesichts der vorliegenden Daten für das dritte Quartal sei das Risiko einer Rezession inzwischen sehr hoch. Die anhaltende Schwäche der Industrie werde mehr und mehr auch die Binnennachfrage belasten. Die geringe Verschuldung und die hohen Ersparnisse des Privatsektors könnten aber dazu beitragen, die negativen Auswirkungen abzufedern, so Heises Überzeugung. Die Verbraucher würden dank des robusten Arbeitsmarktes die tragende Säule der deutschen Wirtschaft bleiben. Im Gegensatz zu einigen anderen Ökonomen, die für den kommenden Jahren eine harte Rezession prognostizieren, sieht der Chefvolkswirt der Allianz eher eine weiche Landung. (aem)