Mit der Diskussion über europäische Autonomie und gemeinsame Verteidigungsanstrengungen sind auch gemeinschaftliche Schulden über Eurobonds wieder auf die Agenda zurückgekehrt. Für Ludovic Subran, Anlagechef der Allianz-Gruppe, ist der Zeitpunkt günstig, um diese Anleihen deutlich zu stärken.

Zeitfenster für Eurobonds steht offen
Zum einen fließe zunehmend internationales Kapital in auf Euro lautende Anleihen, da der Status von US-Staatsanleihen als sicherer Anlagewert wackelt. Das eröffne für den Euro eine neue Chance, seine globale Rolle auszubauen, so Subran. Voraussetzung sei aber eine deutliche Ausweitung des Angebots an sicheren Euro-Anleihen. Strategische Eurobonds zur Deckung gemeinsamer Finanzierungsbedarfe in den Bereichen Verteidigung, Klimawandel und Infrastruktur sieht er dabei als beste Lösung.

Dazu hält Subran die potenzielle Nachfrage nach solchen Anleihen für groß: Schließlich entspreche der gesamte Pool sicherer europäischer Anleihen mit acht Billionen Euro gerade einmal dem Nennwert der im Ausland gehaltenen US-Staatsanleihen. Europa verfüge also über erhebliches ungenutztes Potenzial bei der Emission von Eurobonds. "Eurobonds und hochbewertete Staatsanleihen – insbesondere deutsche Bundesanleihen – sind komplementär und stehen nicht in Konkurrenz zueinander", sagt der Allianz-Anlagechef.

Benchmark-Position anstreben
Für ihren Erfolg müssten Eurobonds aber als hochliquide Benchmark etabliert werden. Das kann nach Meinung des Allianz-Investmentchefs über die gleichzeitige Ausgabe kurzlaufender EU-Bills und die Erhöhung länger laufender, projektbezogener Eurobonds etwa für Verteidigung oder Klimaschutz um 500 Milliarden Euro erfolgen.

Zur Erinnerung: Die EU hatte erstmals ab 2020 im Rahmen des Aufbauprogramms "Next Generation EU" in größerem Umfang Eurobonds begeben. Allerdings sind diese bislang noch limitiert und an bestimmte Programme gebunden. Vor allem Deutschland hat sich in der Vergangenheit gegen einen umfassenderen Aufbau an Gemeinschaftsschulden ausgesprochen. (jh)