Geopolitische Risiken und die protektionistische Handelspolitik Donald Trumps sorgen für erhebliche Verunsicherung an den Märkten. Das Wachstum in China verlangsamt sich, die europäische Integration macht nur mäßige Fortschritte. Die Gesamtstimmung hat sich leicht eingetrübt. Das Bild, das Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest Kapitalanlagegesellschaft in Wien, aktuell von der Weltwirtschaft zeichnet, erscheint nicht gerade in bunten Farben. Statt einer stürmischen Offensive an den Märkten stehe eher eine Saison für Defensiv-Strategen ins Haus, schreibt der Experte in seinem Investment-Ausblick für das dritte Quartal 2018.

Ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Analysen zeige global unterschiedliche Entwicklungen: Während im vergangenen Jahr noch alle Regionen zur weltweiten Konjunkturdynamik beitrugen, ist das Wachstum aktuell nicht mehr synchron. Zulegen konnte die Konjunktur in den USA, insbesondere infolge der dortigen Steuerreform. Der Euroraum und die Schwellenländer verzeichneten hingegen eine schwächere Entwicklung als erwartet. Die Arbeitslosigkeit ist insgesamt weiter rückläufig und müsste vor allem in den USA mehr Lohndruck erzeugen, schreibt Ramberger.

Impulse der Geldpolitik gehen zurück
Die Inflation zeige nach wie vor nur einen leichten Aufwärtstrend, obwohl der Ölpreis deutlich zugelegt hat. "Die Inflationserwartungen sind in den letzten eineinhalb Jahren kaum nach oben gegangen“, erklärt Ramberger. Die globale Geldpolitik sorge bisher für keine Überraschungen bei der schrittweisen Anpassung der expansiven Maßnahmen. Die US-Notenbank Fed schreite sowohl mit der Reduktion der Bilanzsumme als auch mit der Hebung der Leitzinsen voran, wodurch das Zinsdifferential zu den anderen globalen Währungen sukzessive zulege.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Auslaufen der Anleihekäufe angekündigt, geht jedoch von keiner Zinsanhebung vor Herbst 2019 aus. "In Summe bleibt die Geldpolitik unterstützend für die Wirtschaft, die Impulse für die Finanzmärkte gehen jedoch zurück. Zudem könnte die Verflachung der US-Zinskurve ein erstes Warnzeichen für die nächste Rezession in den USA darstellen“, prognostiziert der Allianz Experte.

Risiken bleiben bestehen
Für die weitere Entwicklung zeigt sich Ramberger insgesamt verhalten zuversichtlich: "Derzeit ist kein klarer Trend abzulesen. Es könnte aber wirklich schwierig werden, was die weltweite Wachstumsdynamik betrifft.“ Die geopolitischen Risiken würden bestehen bleiben. Auch die Gefahr verschärfter wirtschaftlicher Konflikte bis hin zu Handelskriegen sei nicht gänzlich auszuschließen, fasst Ramberger zusammen. 

"Konkret raten wir Anlegern, im aktuellen Umfeld Aktien gegenüber Anleihen leicht überzugewichten“, erklärt Doris Kals, Leiterin Multi Asset Management bei der Allianz Invest, die Anlagestrategie für das kommende Quartal. Zwar ließen der fortgeschrittene Wirtschaftszyklus und die langsame Rücknahme der geldpolitischen Maßnahmen volatilere Finanzmärkte erwarten. Ein Ende des Aktienbullenmarktes sei vorerst aber nicht zu erkennen.

Auf der Aktienseite USA und Europa übergewichten
Aktienseitig empfiehlt Kals, die USA und Europa überzugewichten, die Emerging Markets unterzugewichten und Japan neutral zu halten. In den USA werden die nach der Steuerreform ohnehin hohen Erwartungen hinsichtlich Gewinnwachstum und Profitabilität von den Unternehmen noch übertroffen. Zunehmende Arbeitskosten, steigende Rohstoffpreise und höhere Zinsbelastungen werden von den US-Unternehmen durch Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen bis dato gut kompensiert.

Die Bewertung europäischer Aktien sei nach den Abflüssen aus dem Markt aufgrund schwächerer Konjunkturdaten und politischer Unsicherheiten derzeit gegenüber US-Aktien deutlich günstiger. "Die Abschwächung des Euro in den letzten Wochen wird sich zudem positiv auf die Gewinne auswirken“, ist Kals überzeugt. In den Emerging Markets sei das Momentum aufgrund des gestiegenen US-Dollars und weiter steigender US-Zinsen ebenso negativ wie das Bild, das die Unternehmensgewinne zeigten.

US-Staatsanleihen untergewichten
Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Anleihen aus den Emerging Markets leicht überzugewichten, Euroland-Anleihen neutral zu halten und Unternehmensanleihen sowie Anleihen aus den USA unterzugewichten. Für Emerging-Markets-Bonds, die in Hartwährung notieren, spreche der attraktive laufende Ertrag von aktuell 6,3 Prozent. Eine solide Entwicklung erwartet die Allianz auch am Markt für Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern, von Lokalwährungsanleihen wird hingegen abgeraten. "Bei Eurolandanleihen ist ein kurzfristiger deutlicher Anstieg der Renditen unwahrscheinlich, da die Inflation auch in absehbarer Zukunft deutlich unter der Zielmarke bleiben dürfte“, sagt Kals.

Im Segment der Unternehmensanleihen kam es sowohl bei Euro- als auch bei US-Anleihen zuletzt zu deutlichen Spread-Ausweitungen, die die Allianz als Beginn einer längerfristigen Korrektur einschätzt und daher zur Vorsicht rät. Bei US-Staatsanleihen, deren Ertrag im zehnjährigen Bereich als attraktiv anzusehen ist, sollten Euro-Investoren das Fremdwährungsrisiko beachten. (kb)