Fehlende ausländische Käufer bei US-Bondemissionen und ein gigantisches Volumen von Unternehmensanleihen, die bei einer schwächelnden Konjunktur auf Ramschniveau abrutschen könnten: Gerade der für Anleihen so wichtige US-Markt könnte Bondanleger das Leben künftig schwer machen.  "US-Anleihen gelten als die sichersten der Welt. Trotzdem war die Nachfrage zuletzt so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr", sagt Manfred Rath von der KSW Vermögensverwaltung aus Nürnberg. Zahlreiche Länder, die sich in einem Konflikt mit den USA befinden, treten demnach wesentlich seltener als Käufer bei den neuen Emissionen auf, allen voran China.

Rath verweist zudem darauf, dass sich das Universum der mit einem Rating von BBB- ausgestatteten Unternehmensanleihen in den letzten zehn Jahren etwa verdreifacht hat. "Sollten konjunkturelle Schatten auftreten, könnte die Bonität von US-Unternehmensanleihen im Volumen von bis zu einer Billion US Dollar herabgestuft werden", sagt Rath. "Fraglich ist, wie die Märkte derartige Bonitätsverschlechterungen verkraften würden."

Auch Europa ist betroffen
Mit letzterem Problem stehen die USA freilich nicht allein da: Auch in Europa hat sich das Anleihevolumen im BBB-Rating-Bereich stark vergrößert. "Viele Unternehmen bekommen dank der Niedrigzinsphase überhaupt erst Zugang zum Markt", sagt Rath. Studien zufolge gibt es immer mehr Firmen, deren Überschüsse die künftigen Zinszahlungen nicht decken werden. 

Hinzu kommen bestehende Probleme, die noch nicht gelöst sind: "Zahlreiche Banken im Euroland und besonders in Italien haben nach wie vor gewaltige Summen an faulen Krediten in ihren Büchern, die allen Beteiligten bei einem wirtschaftlichen Abschwung um die Ohren fliegen dürfte. Vor einem Zusammenbrechen der Bondmärkte zu warnen, ist derzeit noch verfrüht", sagt Rath. "Doch die teilweise überbordende Verschuldung und die weiter ansteigenden Haushaltdefizite zahlreicher Länder könnten urplötzlich zu einer gespenstischen Entwicklung an den Finanzmärkten führen." (fp)