Banken haben bei vielen Anlegern einen schlechten Ruf. Die Geldinstitute gelten als angestaubt und hinken bei der Digitalisierung häufig hinterher. Skandale aus der jüngsten Vergangenheit haben ihr Image nicht unbedingt aufpoliert. Das ändert jedoch nichts an ihrer tragenden Rolle im Finanzsystem, sagt Vincent Mortier, Co-Anlagechef bei Amundi. Zwar würden die Geschäftsmodelle der Banken an vielen Stellen angegriffen – von der Kundenbetreuung über die Kreditvergabe bis hin zur Vermögensverwaltung oder dem Zahlungsverkehr. "Wir denken aber, dass Finanzsysteme Banken brauchen, um gut zu funktionieren", betont Mortier. 

Die Sicherung von Kundenvermögen, das Sammeln und der Schutz von Daten und Informationen sowie die Geldschöpfung durch Kreditvergabe werde auch in Zukunft das alleinige Vorrecht der Geldhäuser bleiben. Hinzu kommt: "Banken sind der wichtigste – wenn nicht sogar der einzige – Träger von ESG auf globaler Ebene", sagt Mortier. Nachhaltigkeitskriterien gewinnen bei Kunden, Aktionären, Stakeholdern und Regulierungsbehörden immer stärker an Bedeutung. "Investmentbanken und Geschäftsbanken mit ihren Asset-Management-Armen sind die Hauptakteure auf dem Markt für grüne Anleihen", sagt der Vermögens-Experte. ESG wird in Zukunft zu einem wichtigsten Wettbewerbsvorteil gegenüber großen Konkurrenten aus dem Bereich Big Tech wie Apple Pay, Google und weiteren digitalen Plattformen. 

Besserung in Sicht
Mortier und sein Team gehen davon aus, dass die Gewinne der Banken im Jahr 2023 das Vorkrisen-Niveau erreichen könnten. "Zwar sank gemäß unserer eigenen Analyse die Eigenkapitalrendite der Banken in der Eurozone im vierten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorkrisenniveau deutlich, die Kernkapitalquote aber, der Verschuldungsgrad und der Anteil notleidender Kredite an der Bilanzsumme verbesserten sich sogar", beobachtet der Experte. (fp)