Die zuletzt hohen Preisausschläge bei Gold, Silber oder Kupfer sind eine Reaktion auf strukturelle Nachfrageverschiebungen, geopolitische Risiken und kurzfristige Spekulationen. Das sagt Lorenzo Portelli, Leiter Cross Asset Strategy beim Amundi Investment Institute. Er rät zu einer sogenannten Hantel-Strategie, um Chancen am Metallmarkt zu sichern und Risiken zu minimieren.

Unterschiedliche Preistreiber
"Die Erwartungen für die kommenden Jahre – und nicht eng definierte Kursziele – bestimmen einen Großteil des Geschehens", sagt Portelli. Anleger sollten seiner Meinung nach eher in Szenarien und Risikoprämien denken als in Momentaufnahmen. Der in den vergangenen Monaten gesehene Anstieg des Goldpreises lässt sich seiner Meinung nach eher durch mittel- bis langfristige strukturelle Faktoren als durch unmittelbare fundamentale Entwicklungen begründen.

Die Marktdynamik von Silber unterscheide sich deutlich. "Silber profitiert sowohl von der Nachfrage nach Edelmetallen als auch von seiner zunehmenden industriellen Bedeutung für die Energiewende und KI-Hardware", sagt der Research-Analyst. Chinas steigender Bedarf sowie der Einsatz in der Photovoltaik und Elektronik erhöhten die Nachfrage zusätzlich. Allerdings habe die Preisentwicklung zeitweise die makroökonomischen Fundamentaldaten übertroffen. Silber bleibe daher stärker spekulativen Strömungen ausgesetzt und könne volatiler sein als Gold.

Langfristig investieren statt kurzfristig spekulieren
Angesichts der verschiedenen Einflussfaktoren hält Portelli einen Barbell- oder Hantel-Ansatz bei Metallen für sinnvoll. Dieser soll mit einer Mischung risikoarmer und risikoreicher Assets das Gesamtrisiko senken. Wie dies aussehen kann, erklärt Portelli: "Eine Kombination aus Gold aufgrund seiner Absicherungseigenschaften mit ausgewählten Industriemetallen wie Kupfer oder Zinn ist attraktiv, um von den strukturellen Aufwärtspotenzialen durch Elektrifizierung, KI und Infrastrukturausgaben zu profitieren. Silber kann eine untergeordnete Rolle für taktische Engagements spielen, aber für die Basisabsicherung sollte Gold bevorzugt werden."

Kurzfristige Kursziele seien in Märkten, die von sich ändernden Erwartungen und asymmetrischen Risiken getrieben werden, nur von begrenztem Nutzen, so der Experte. Stattdessen sollten Anleger Positionen so planen, dass sie sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die potenziellen Auswirkungen unterschiedlicher Szenarien widerspiegeln. (jh)