Die Europäische Zentralbank (EZB) bekommt ein neues Gesicht, doch ihre geldpolitische Strategie wird voraussichtlich ähnlich aussehen wie unter Mario Draghi: Christine Lagarde wird dessen lockere Geldpolitik fortführen und die Leitzinsen wahrscheinlich sogar senken, vermutet Didier Borowski, Leiter der makroökonomischen Forschung bei Amundi. Er erwartet, dass die EZB im September ein neues sogenanntes Quantitative-Easing-Programm für Unternehmensanleihen ankündigt – also bald wieder verstärkt Unternehmensanleihen kauft.

Angesichts "einer sich abschwächenden Konjunkturperspektive in der Eurozone und einer geringen Inflation" sind diese beiden Schritte laut Borowski zu erwarten. Die EZB sei schließlich weiterhin bereit, alles zu tun, was nötig ist, um eine Krise in der Eurozone zu vermeiden. Sobald die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen deutlich senkt oder der Euro aufgewertet wird, würde die EZB ihr Leitzinsen senken, prognostiziert Borowski.

Kein Renditeanstieg für Anleihen
Angesichts der lockeren Geldpolitik rechnet Borowski nicht mit einem signifikanten Renditeanstieg für Anleihen. "Wir sehen eher eine Prämienjagd der Anleger", sagt der Marktexperte. Vor allem nachrangige Unternehmensanleihen brächten attraktive Prämien bei guter Qualität. Potenzial sieht Borowski aber auch bei langlaufenden Staatsanleihen. (fp)