Als neuer Präsident der USA verkündete Donald Trump, Amerika müsse sich vor den Verwüstungen durch Länder schützen, die amerikanische Produkte nachahmten sowie amerikanische Unternehmen und Jobs zerstörten. Doch steckt die verarbeitende Industrie der USA tatsächlich in Schwierigkeiten? Und ist die Ursache dafür im Handel mit China zu suchen? Andy Rothman, Investmentstratege des Asien-Spezialisten Matthews Asia, erklärt anschaulich den Zusammenhang zwischen dem Handel mit China und der Wechselwirkung von Industrie und Beschäftigung in den USA.

"Handel ist gut, das gilt sowohl für die meisten Arbeitnehmer als auch für Verbraucher und Unternehmen der USA“, betont Rothman. Es stimme zwar, dass die Beschäftigungszahl in der verarbeitenden Industrie der USA gesunken sei, doch gleichzeitig befinde sich ihre Kapazität fast auf Rekordhöhe. Der Grund für diesen Widerspruch liege eher in der Steigerung der heimischen Produktivität als in einem Anstieg konkurrierender Importe.

Zur Veranschaulichung führt Rothman die Stahlindustrie an: 1960 habe Amerika 130 Millionen Tonnen Stahl im Inland produziert, im Jahr 2000 waren es immerhin noch 110 Millionen Tonnen. Allerdings wurde dafür dank produktionssteigernder Techniken und Innovationen nur noch ein Fünftel der Arbeitskräfte von 1960 benötigt ─ das entspricht einer Produktivitätssteigerung von 260 auf 1.100 Tonnen pro Arbeiter. Der Anteil des amerikanischen Stahlverbrauchs, den Importe aus China abdecken, betrug zwischen 2011 und 2015 durchschnittlich nur etwa 1,7 Prozent jährlich.

Rothman führt aus, dass sich schlicht die Art der Beschäftigung verändert habe. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa polarisiere sich die Arbeitnehmerqualifikation zwischen Beschäftigten mit hoher Kompetenz und hohem Lohn und solchen mit niedriger Kompetenz und niedrigem Lohn. Und während die Beschäftigungszahl in der verarbeitenden Industrie gesunken ist, stiegen die Nachfrage nach Dienstleistungen und damit Beschäftigungsraten in Service-Industrien. Konkret seien in den USA derzeit 60 Prozent mehr Angestellte im Dienstleistungssektor beschäftigt als in der verarbeitenden Industrie.

US-Industrie geht es gut
Alles in allem beschreibt Rothman die amerikanische Verarbeitungsindustrie als relativ gesund. Der Rückgang der Beschäftigten in diesem Sektor sei weniger darauf zurückzuführen, dass Importe aus Billig-Lohnländern die heimische Industrie geschädigt hätten als vielmehr auf die Steigerung der heimischen Produktivität. "Protektionismus schadet den USA eher, als dass er die eigene Industrie verbessert“, schlussfolgert Rothman daher. (aa