Wie gut sagen Marktteilnehmer die Inflation voraus? Das hat Kapitalmarktanalyst Pascal Kielkopf vom Multi-Family-Office HQ Trust jetzt für den Zeitraum von Juli 2009 bis Juli 2022 untersucht. Sein Ergebnis: Ein Großteil der Schätzungen traf die Inflationsentwicklung relativ genau. Zum Teil ergaben sich aber auch gewaltige Abweichungen von der Realität – vor allem zuletzt unterschätzten die Marktteilnehmer die Höhe massiv.

Diese teils extremen Abweichungen zwischen erwarteter und tatsächlicher Inflation sorgten auch dafür, dass die Jahresprognosen im Untersuchungszeitraum insgesamt um relativ hohe 1,07 Prozentpunkte von der tatsächlichen Inflationsrate abwichen. Für die Untersuchung hatte Analyst Kielkopf die erwarteten Ein-Jahres-Inflationsraten den im Nachhinein gemessenen tatsächlichen Inflationsraten gegenübergestellt. Als Maßstab für die Markterwartungen nutzte er sogenannte Breakeven-Inflationsraten. Diese berechnen sich aus dem Unterschied zwischen den Renditen von Festzinsanleihen und inflationsgebundenen Anleihen gleicher Laufzeit und Bonität.

Überraschungen sorgen für Schätzfehler
In Zeiten überraschender Entwicklungen lagen die Marktteilnehmer besonders stark daneben – und diese kamen im untersuchten Zeitraum gleich mehrfach vor. Das Ergebnis: Nur in rund einem Drittel der Monate lag der Schätzfehler der Konsensprognosen weniger als 0,5 Prozentpunkte vom echten Wert entfernt. Bei extremen Ereignissen wie dem Kriegsausbruch in der Ukraine wichen die Schätzungen dagegen um bis zu 6,7 Prozentpunkte von der Wirklichkeit ab.

Aktuell steht erneut die Frage im Raum, ob die hohe Inflationsrate bald wieder etwas zurückgeht oder nicht. Die Marktteilnehmer jedenfalls gehen von einem langsamen Rückgang aus: Für die kommenden zwölf Monate soll der Inflationswert für die Eurozone demnach bei nur noch 7,1 Prozent liegen. Ob sie diesmal besser liegen, wird die Zukunft zeigen. (fp)