Der Angriff der USA auf den Iran und der damit einhergehende Energiepreisschock schüren die Sorge vor einer Stagflation. Denn eine Phase schwachen Wachstums bei gleichzeitig hoher Inflation stellt für den Aktienmarkt das ungünstigste Szenario dar. "Panik wäre dennoch fehl am Platz", meint Duncan Lamont, Leiter Strategic Research bei Schroders. Denn eine Analyse des Hauses zeige, dass sich Aktien in stagflationären Phasen häufig solide entwickeln, wenn auch nicht so stark wie in anderen Perioden.

Für diese Analyse haben die Schroders-Experten Stagflation einfach definiert als Phasen mit einem realen Wirtschaftswachstum unterhalb des Zehn-Jahres-Durchschnitts sowie einer Inflationsrate oberhalb des Schnitts. Dieser Ansatz ermögliche eine Betrachtung der Marktentwicklung über nahezu 100 Jahre, auf Branchenebene seit 1974, so Lamont.

Gemischtes Bild
Der Analyse zufolge lag seit 1926 die mittlere reale Jahresrendite in einem Stagflationsjahr bei etwa null Prozent. "Das ist weniger, als Anleger langfristig von Aktien erwarten", räumt der Schroders-Stratege ein. "Doch in einem Hochinflationsumfeld der Inflation nahezukommen, ist kein schlechtes Ergebnis." In etwa der Hälfte dieser Jahre erzielten Aktien eine positive Realrendite, die dann im Schnitt bei rund 16 Prozent lag. In Jahren mit negativen Renditen bezifferte sich der Schnitt auf minus 14 Prozent.

Mit Blick auf die Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. Defensive Sektoren wie Versorger und Basiskonsumgüter entwickelten sich vergleichsweise positiv. Auch Energie- und Rohstoffunternehmen schlugen sich gut, "weil hohe Rohstoffpreise häufig selbst Ursache der Inflation in solchen Phasen sind", erläutert Lamont. "Dieses Risiko besteht derzeit erneut."

Einen schweren Stand
Der Gesundheitssektor wiederum gilt gemeinhin als defensiv. "Umso bemerkenswerter ist es, dass er in Phasen niedrigen Wachstums und hoher Inflation zwischen 1974 und 2025 enttäuschte", berichtet der Schroders-Experte. Auch zyklische Konsumgüter entwickelten sich schwächer als Basiskonsumgüter, "da Verbraucher zunächst bei nicht lebensnotwendigen Ausgaben sparen", so Lamont.

"IT- und Kommunikationsdienste haben historisch einen schweren Stand", führt der Stratege aus. "Anders als früher sind viele der heutigen großen Technologiekonzerne jedoch hochprofitabel und global aufgestellt", gibt er zu bedenken. Die meisten verfügten trotz gestiegener Verschuldung über solide Bilanzen. "Finanzwerte zählen in der Regel zu den Verlierern in einem solchen Umfeld", hält Lamont schließlich fest. Sachwerte wie Immobilien konnten sich ebenfalls behaupten, weisen aber auch eine der breitesten Ergebnisstreuungen auf, so der Analyst.

Europa voraus
Daneben sieht Lamont mit Blick auf die historischen Daten zu Stagflationen bessere Chancen bei europäischen als bei US-Aktien. "Auch der britische Aktienmarkt ist eine interessante Option", so der Experte. Japan hingegen leide unter hohen Gewichtungen in konjunktursensiblen Industriewerten und zyklischen Konsumgütern. (fp)