Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 11. Juni ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben und damit einen neuen Straffungszyklus eingeleitet. Weitere Zinsschritte seien zwar wahrscheinlich, hätten sich jedoch schon weitgehend in den Renditen von Unternehmensanleihen niedergeschlagen, schreiben Matthias Schell und Michael Köhler, Credit-Analysten bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). 

"Die aktuelle Anhebung und bis zu zwei weitere Schritte bis Jahresende haben sich bereits in den Corporate-Renditen niedergeschlagen", heißt es in der Analyse. Der zusätzliche Renditeaufwärtsdruck dürfte daher begrenzt bleiben, sofern die Inflation nicht erneut negativ überrascht. 

Investment Grade bevorzugt
Positiv beurteilt die LBBW derzeit Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. Zwar seien die Risikoprämien zuletzt wieder deutlich zurückgegangen und lägen teilweise fast auf dem Niveau vor dem Iran-Krieg. Dennoch böten die aktuellen Renditen weiterhin eine angemessene Entschädigung für die eingegangenen Risiken. 

Zudem spreche die relative Bewertung für Investment Grade. Die Spreads von High-Yield-Anleihen seien im historischen Vergleich derzeit vergleichsweise niedrig. "Die relative Attraktivität spricht damit weiterhin für Investment-Grade-Bonds", so die Analysten.

Ausfallrisiken bleiben erhöht
Gleichzeitig warnt die LBBW vor zu viel Optimismus im Hochzinssegment. Die Ausfallraten von High-Yield-Unternehmen in Europa und den USA dürften nach Einschätzung der Analysten auch künftig über ihren langfristigen Durchschnittswerten liegen. Die von Ratingagenturen erwartete deutliche Entspannung erscheine zu optimistisch. 

Vor diesem Hintergrund bleiben Unternehmensanleihen für Investoren zwar interessant, innerhalb des Segments sehen die Experten derzeit jedoch die besseren Chancen bei Emittenten mit hoher Bonität. (dv)