Anlage-Expertin: Wieso Schwellenländer einen Schritt voraus sind
Steigende Rohstoffpreise erhöhen weltweit den Inflationsdruck. Der auf Schwellen- und Frontiermärkte spezialisierte Impact-Investor Finance in Motion sieht Emerging Markets heute geldpolitisch besser aufgestellt als zahlreiche Industrieländer – und mit größerem Handlungsspielraum.
Steigende Rohstoffpreise infolge der Unsicherheiten rund um den Iran-Konflikt erhöhen den globalen Inflationsdruck. Anders als in früheren Zyklen könnten Schwellen- und Frontiermärkte nach Einschätzung von Finance in Motion diesmal jedoch besser auf die Entwicklung vorbereitet sein als Industrieländer. "Viele Schwellen- und Frontiermärkte reagieren schneller, disziplinierter und teilweise wirksamer auf Inflationsrisiken als zahlreiche etablierte Volkswirtschaften", sagt Melanie Aimer, Chief Commercial Officer des Frankfurter Impact-Investors.
Frühes Handeln schafft neuen Spielraum
Nach Einschätzung von Finance in Motion haben Zentralbanken in Schwellenländern aus früheren Inflations- und Währungskrisen gelernt. Während zahlreiche Notenbanken in Europa und Nordamerika in der vergangenen Inflationsphase lange über die Ursachen des Preisauftriebs diskutiert hätten, seien viele Schwellenländer frühzeitig und entschlossen gegen steigende Inflation vorgegangen. Höhere Leitzinsen und eine konsequente Geldpolitik hätten Zweitrundeneffekte begrenzt und die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken gestärkt. Heute bewegten sich die Inflationsraten in vielen Schwellen- und Frontiermärkten wieder in der Nähe der Zielwerte ihrer Zentralbanken oder sogar darunter, gleichzeitig blieben die Realzinsen positiv. Dadurch verfügten die Notenbanken über größeren geldpolitischen Handlungsspielraum.
Institutionelle Qualität rückt in den Vordergrund
Nach Ansicht von Finance in Motion verändert sich damit auch die Wahrnehmung der Schwellen- und Frontiermärkte. Deren Stabilität beruhe heute zunehmend auf institutioneller Glaubwürdigkeit und weniger auf günstigen Rohstoffzyklen oder konjunkturellen Sondereffekten. "Wir beobachten einen strukturellen Wandel", sagt Aimer. "In einer volatileren Welt sind es nicht automatisch die Industrieländer, die die höchste geldpolitische Disziplin aufweisen. In vielen Fällen liefern Schwellenländer inzwischen eine Blaupause dafür, wie entschlossenes makroökonomisches Management aussehen kann."
Frühere Krisen als Vorteil
Als Beispiele nennt Finance in Motion unter anderem Georgien und Moldau, deren Zentralbanken bereits auf neue Inflationsrisiken reagiert hätten. Die größere Reaktionsgeschwindigkeit sei das Ergebnis wiederholter Erfahrungen mit hoher Inflation, Währungskrisen und Kapitalabflüssen. Gerade weil steigende Energiepreise, höhere Importkosten oder Währungsabwertungen dort schneller auf die Verbraucherpreise durchschlügen als in Industrieländern, sei die Bereitschaft größer, geldpolitisch frühzeitig gegenzusteuern.
Sollten die Rohstoffpreise länger erhöht bleiben, könnte sich dieser Vorsprung nach Einschätzung von Finance in Motion weiter auszahlen. Zentralbanken, die Inflation früh bekämpften, sicherten sich langfristig mehr geldpolitischen Handlungsspielraum. Viele Schwellen- und Frontiermärkte hätten diese Lehre aus früheren Krisen inzwischen verinnerlicht und könnten den Industrieländern damit erneut einen Schritt voraus sein. (dv)














