Leerverkäufern, die von sinkenden Aktienkursen profitieren wollen, wurde schon immer nachgesagt, die Aasgeier der Börse zu sein: eklig, aber nützlich. "Das mag stimmen, denn sie fressen tatsächlich den Müll der anderen, manchen aus manchem Toten noch ein festliches Mahl für ihre Anleger", sagt der Kölner Kapitalmarktexperte Uwe Zimmer. "Manches Mal schaffen sie auch Fakten, sorgen für das vorzeitige Ableben des ein oder anderen eigentlich noch ganz munteren Unternehmens, decken also Schwächen auf und nutzen sie." Viele Firmen, die in den Fokus von Shortsellern geraten sind, wären wohl über kurz oder lang ohnehin gescheitert. Womöglich auch der Spielehändler Gamestop.

Im Tauziehen rund um die Gamestop-Aktie lief es indes nicht so wie sonst. Organisierte Kleinanleger fügten großen, auf fallende Kurse wettenden Hedgefonds herbe Verluste zu. In vielen Medien las man anschließend, wie wichtig Leerverkäufer für die Effizienz des Marktes seien. Zimmers Mitleid mit den betroffenen Anlageprofis hält sich trotzdem in Grenzen: Er hält es für möglich, dass manche Hedgefonds-Manager, blind vor Gier und beflügelt vom billigen Geld der Zentralbanken, inzwischen zu hohe Risiken eingehen. "Größere und größere Räder wurden gedreht, ohne großes Aufsehen und ohne große Aufsicht", kritisiert er.

Fressen oder gefressen werden
Der Fall Gamestop hat einmal mehr gezeigt, dass es keine Rendite ohne Risiko gibt. "Eine Horde Kleinzocker hat es geschafft, dass das Geschäft der Aasgeier plötzlich wieder riskanter wird", konstatiert Zimmer. "Sie haben sie in eine Falle gelockt, aus der sie sich nicht befreien konnten, ohne Federn zu lassen." Außer Schadenfreude bleibt laut dem Kapitalmarktexperten eine wichtige Erkenntnis: Der Markt kehrt immer wieder zu einem inneren Wert zurück. "Den Spielern, die das Spiel mit Gamestop spielten, gebührt Dank", sagt Zimmer. "Sie haben gezeigt, dass es eine wirkliche Hygiene an der Börse gibt – und dass auch die Aasfresser noch Fressfeinde haben." (fp)