Crashpropheten sind sich einig: Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt. Was den Zeitpunkt betrifft, sind sich die Schwarzmaler allerdings uneins. "Als Buchautor hat man für die nächsten Jahre ausgesorgt, wenn man eine zutreffende Prognose platziert", spottet Markus Richert, Seniorberater beim Kölner Vermögensverwalter Portfolio Concept. Dabei gilt: Je länger die letzte Krise zurückliegt, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Crashprophet mit seiner Prognose demnächst richtig liegt.

Probleme gibt es in der Wirtschaftswelt zweifelsohne zur Genüge, etwa die hohe Verschuldungsquote der Volkswirtschaften oder das erodierende Geschäftsmodell der Banken. Schwarzseher greifen solche Entwicklungen dankbar auf und arbeiten sich an ihnen ab, sagt der Vermögensprofi. "Der Zusammenbruch erscheint einem schnell als die einzige mögliche Konsequenz." Der Komplexität des Themas sind solche Darstellungen aber selten angemessen. "Börsencrashs und Finanzkrisen lassen sich nicht wissenschaftlich prognostizieren", sagt Richert.

Der Weltuntergang ist verschoben
Irgendwann kommt der nächste Crash, sagt auch der Portfolio-Concept-Experte – "vielleicht schon morgen, oder 2023, oder 2030." Genau kann man es aber nicht sagen.

Momentan stellt sich die Wirtschaftslage jedenfalls gar nicht so übel dar. In Deutschland etwa ist die Konjunktur im dritten Quartal entgegen aller Erwartungen nicht geschrumpft, sondern leicht gewachsen. "Von einer tiefgreifenden Rezession ist derzeit nicht auszugehen", sagt Richert. "Solange sich an der Zinsfront keine Änderung zum Positiven ergibt und das globale Wirtschaftswachstum nicht kollabiert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Weltuntergang erst einmal nicht stattfindet." (fp)