Für Anleger lohnt es sich in vielen Fällen eher, auf Aktien zu setzen, als auf Anleihen desselben Emittenten. Die Dividendenrenditen vieler Firmen liegen nämlich höher als die Kupons ihrer Bonds, sagt Jürgen Mehrbrei, Gründer und Geschäftsführer der Unikat Vermögensverwaltung in Mannheim. Wer momentan in europäische Unternehmensanleihen guter Bonität investiert, kann im Schnitt nur noch mit schlappen 0,6 Prozent Zinsen pro Jahr rechnen – und das bei einer Laufzeit von sieben bis zehn Jahren. "Zieht man hiervon die jährliche Inflation von aktuell ein bis zwei Prozent ab, verlieren Anleger durch ein solches Investment real sogar an Kaufkraft", gibt Mehrbrei zu bedenken.

Wer regelmäßige Ausschüttungen haben will, sollte sich besser Dividendenaktien anschauen, rät der Anlageprofi. Die durchschnittliche Dividendenrendite der Unternehmen im Euro Stoxx 50 beträgt derzeit zirka 3,5 Prozent. "Dabei sollten Anleger jedoch stets beachten, dass ein Investment in Aktien neben den zusätzlichen Ertragschancen auch mit höheren Risiken verbunden sein kann", sagt Mehrbrei. Das hat sich im vergangenen Jahr deutlich gezeigt. Viele Firmen mussten ihre Ausschüttungen wegen der Pandemie kürzen oder sogar komplett aussetzen. "Nur, wer in bilanziell hervorragend aufgestellte Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen investiert, kann sich über nachhaltige Dividendenrenditen freuen", betont der Vermögensexperte.

Ausschüttungsfans denken langfristig
Im Portfolio können Dividendentitel eine ähnliche Funktion einnehmen wie Anleihen, also für Stabilität sorgen, meint Mehrbrei. Seine Argumentation: Dividendenliebhaber seien vor allem an regelmäßigen Erträgen interessiert und verkauften ihre Aktien nicht bei der erstbesten Negativ-Schlagzeile. "Das hat zur Folge, dass auf kurzlebige Unternehmensnachrichten weniger stark reagiert wird, was extreme Kursschwankungen verringert", erklärt er.

In näherer Zukunft dürften Dividendenaktien im Vergleich zu Unternehmensanleihen attraktiv bleiben, prognostiziert der Anlageprofi: "An eine Abkehr von der durch die Notenbanken gelebten Nullzinspolitik ist auch in den nächsten Jahren nicht zu denken. Zu einschneidend wären die Folgen für Staat und Wirtschaft." (fp)