Vieles an der wirtschaftlichen Lage in Europa erinnert derzeit an Japan, sagt Manfred Rath von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. Angefangen bei der Nullzinspolitik: "Die Bank of Japan trat bereits in den 1990er-Jahren sehr aggressiv am Kapitalmarkt auf und senkte die Leitzinsen auf 0,5 Prozent. 1999 lagen sie erstmals bei null Prozent", erklärt der Vermögensprofi. Mit aktuell minus 0,1 Prozent sind die Zinsen heute auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen.

Die Mischung aus hoher Schuldenlast und Deflation machte den Banken in Japan schwer zu schaffen. Sie mussten viele faule Kredite abschreiben. Das zehrte an der Substanz und hatte eine stark eingeschränkte Kreditvergabe zur Folge.

Ein Blick auf die Börsenkurse deutscher Banken zeigt auch hier verblüffende Parallelen. "Die Profitabilität deutscher Kreditinstitute ist bei niedriger Kapitalausstattung nur noch ungenügend", sagt Rath. Kommt es zu einem Anstieg fauler Kredite, könnte das manche Häuser in Bedrängnis bringen.

Zinsen dürften niedrig bleiben
Ähnlich wie in Japan fehlt es auch in Europa an dringend notwendigen Strukturreformen. "In den Euroländern sind diese mangels politischem Willen und ungleichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwer durchzusetzen", sagt Rath. Eine Zinserhöhung beispielsweise würde den Euro stärken und den Südländern, die ohnehin beim Export kaum konkurrenzfähig sind, noch mehr Gegenwind bescheren. "Das Institut der Deutschen Wirtschaft stellte in einer Studie fest, dass rund 800.000 Unternehmen in elf untersuchten Ländern in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten", sagt Rath. Das wären mehr als fünf Prozent aller Unternehmen im Euroraum. (fp)