Zu wenig Profit, kein wirklich zukunftsfähiges Geschäftsmodell, ein sich verschärfender Wettbewerb und zu hohe Kosten; Europas Banken sehen im Vergleich zu ihren US-Wettbewerbern schlecht aus. Während die großen US-Bankaktien im Schnitt immerhin wieder das Kursniveau von vor der Finanzkrise 2008 erreichen konnten, haben die Anteilscheine größerer europäischer Banken im gleichen Zeitraum durchschnittlich 80 Prozent Wertverlust erlitten. "Und die Sorgen nehmen zu", befürchtet Gottfried Urban von der Vermögensverwaltung Urban & Kollegen. Manche sind fremd-, andere wiederum eigenverschuldet.

Die Branche hat zuletzt vor allem mit Geldwäsche-Vorwürfen von sich reden lassen oder weil sie Kredite an EU-Staaten vergeben hat, die inzwischen als überschuldet gelten. Auch das Eigenanlagen-Management der Banken hält der Vermögensprofi für problematisch – denn neben dem Negativzins gehen mit jeder fälligen Altanleihe Zinserträge verloren. Und als wäre das nicht schon genug, ächzen Europas Banken jetzt auch noch unter dem Druck der Covid-19-Pandemie: Unternehmens-Insolvenzen könnten künftig verstärkt Kredite platzen lassen. 

Ungewisse Zukunft
Außerdem drängen immer mehr Internetplattformen und Onlinebezahlunternehmen in das klassische Bankgeschäft. Die Folge: Banken müssen kapitalintensive Bereiche wie das Investment-Banking verkleinern oder sogar abstoßen. Urban erwartet in den kommenden Jahren weitere Zusammenschlüsse, einen massiven Personalabbau und zahlreiche Filialschließungen.

Viele europäische Banken dürften sich künftig verstärkt auf alternative Investments oder unternehmerische Beteiligungen am Wohnungsmarkt konzentrieren. Für Investoren ist das aber nur ein schwacher Trost, glaubt Urban. "Vielleicht ergeben sich Chancen und Kooperationen, die wir im Moment noch nicht sehen. Bis dahin gibt es jedoch bessere Branchen, um ein gutes Depot mit Perspektive zusammenzustellen."  (fp)