Lohnt es sich aus Renditesicht, in Gold zu investieren? Das kommt ganz auf den Zeithorizont an. In den vergangenen fünf Jahren konnte der Goldpreis um fast 50 Prozent zulegen. "Auf Zehnjahressicht kratzt die Rendite dagegen an der Nulllinie", sagt Michael Thaler, Vorstand von Top Vermögen in Starnberg. Ein lohnendes Langfrist-Investment sieht anders aus. Trotzdem halten viele Anleger dem Edelmetall die Treue, in guten wie in schlechten Zeiten. "Gold ist und bleibt ein emotionales Investment", stellt Thaler fest.

Die gute Nachricht für Gold-Fans: Gefühlstechnisch ist in der nächsten Zeit eher Freude als Trauer angesagt. "Wir sehen in den kommenden Jahren den Goldpreis gut gestützt", sagt Thaler. Hauptgrund dafür sind die niedrigen Zinsen, die Auswüchse wie als "Verwahrentgelte" getarnte Strafzinsen für Sparer zur Folge haben. "In solch einem Umfeld kann ein vergleichsweise einfach zu verwahrender Wertgegenstand wie Gold vom Saulus zum Paulus mutieren und helfen, die Vermögenssubstanz zu erhalten", erklärt der Anlageprofi. Er rechnet damit, dass die Realzinsen so bald nicht substanziell steigen. "Die strapazierten Staatsschulden würden das wohl vielerorts nicht verkraften", argumentiert er.

Was ist wahrscheinlicher – Systemcrash oder Einbruch?
Ob man Gold besser in Form von Barren oder Münzen oder besser in Form besicherter ETCs wie Xetra-Gold kaufen sollte, hängt letztlich davon ab, für welches Szenario sich Anleger absichern wollen, sagt Thaler. Wer glaubt, dass das Finanz- und Bankensystem in absehbarer Zeit zusammenbricht, greift eher zu physischem Gold, das er zu Hause im Tresor lagert. Wer dagegen sein Portfolio beispielsweise gegen Inflation absichern will, ist mit besicherten Wertpapieren gut bedient und läuft nicht Gefahr, von Einbrechern um sein Gold erleichtert zu werden. "Letztlich ist es wohl ein Abwägen verschiedener Szenarien mit geringer Wahrscheinlichkeit", sagt Thaler. (fp)