Dass der deutsche Leitindex Dax nach seinem dramatischen Einsturz im März wieder anzieht, überrascht wenig. Langsam scheint es allerdings so, als ob der Optimismus etwas überhandnimmt, sagt Thomas Buckard, Gründungsmitglied der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen. Der 200-Tage-Durchschnitt wurde bereits überschritten. "Es schwingt eine gehörige Portion Hoffnung im Markt mit, deshalb dürfte eine Korrektur bevorstehen", glaubt der Anlageprofi.

Derzeit hätten sich die Kurse knapp 50 Prozent von den Tiefständen nach oben entwickelt. Das führe zu einer gewissen Sorglosigkeit, die bereits wieder in Risikofreude umschlägt. "Wenn wir sehen sollten, dass es aufgrund zunehmender Covid-19-Erkrankungen zu partiellen Lockdown-Beschlüssen kommt, würde das die Börse wieder massiv treffen", fürchtet Buckard. Bleibt dagegen ein erneuter Lockdown oder ein massiver Anstieg der Inflationsraten aus, dann "könnten wir nach einer zwischenzeitlichen Korrektur bis Jahresende noch etwas weiter Boden gutmachen."

Rahm abschöpfen, statt Vollgas geben
Erst in den nächsten Monaten wird sich zeigen, wie stark die Industrie und der Dienstleistungssektor wieder hochfahren können. Er hält es deshalb für falsch, sich von der optimistischen Stimmung in die Märkte hineinziehen zu lassen. "Wir haben vor zwei Wochen gesehen, wie schnell die Märkte wieder korrigieren können", sagt Buckard. Deshalb sei es klug, zurzeit eher etwas Rahm abzuschöpfen, anstatt Vollgas zu geben. (fp)