Norwegens Staatsfonds ist mit über eine Billion Euro an verwaltetem Vermögen das globale Aushängeschild in Sachen Altersvorsorge. Selbstredend, dass andere Länder dem norwegischen Vorbild nacheifern. In Deutschland haben nicht nur die Union, sondern auch Grüne, SPD und FDP die Gründung eines eigenen Staatsfonds vorgeschlagen. Das sei zwar begrüßenswert, doch eine Vermögensverwaltung auf einer derart großen Skala solle doch besser von hauptberuflichen Anlagemanagern übernommen werden, sagt Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der Private Vermögensverwaltung AG in Essen.

Das Konzept von CDU/CSU sieht vor, dass der Staat mit der Geburt eines jeden Kindes 4.000 Euro in den Fonds einzahlt. Das Geld soll dann 67 Jahre lang, also bis zum Rentenalter, breit gestreut am Kapitalmarkt angelegt werden. Die Experten der Union rechnen mit einer jährlichen Rendite von acht Prozent, abzüglich einer zweiprozentigen Inflation, was bei Rentenantritt ein Vermögen von etwa 200.000 Euro beziehungsweise eine monatliche Rente von 900 Euro ergibt – bei einer restlichen Lebenserwartung von 18 Jahren.

Viel Geld hat "anziehenden Effekt auf Politiker"
"Der Gedanke eines Staatsfonds ist richtig und sollte konsequent verfolgt werden", sagt Schyra, sieht aber Optimierungsbedarf bei den bisher vorliegenden Konzepten. Er zweifelt etwa daran, dass staatliche Institutionen wie die Bundesbank dazu in der Lage sind, am Kapitalmarkt eine durchschnittliche jährliche Rendite von acht Prozent zu erzielen. "Besser wäre es, die Anlage des Kapitals unter professionellen Marktteilnehmern auszuschreiben", schlägt der Anlageprofi vor.

Zwar würden private Asset Manager wohl eine höhere Entlohnung verlangen als verbeamtete. Doch auch die Bundesbank würde schließlich auch nicht kostenlos für den angedachten Staatsfonds tätig. "Zudem muss sichergestellt werden, dass keine alternative Mittelverwendung möglich ist", fordert Schyra. "Die Historie hat gezeigt, dass große Kapitalansammlungen auf Politiker einen anziehenden Effekt ausüben." Sie ließen sich womöglich Wege einfallen, das Geld anders als für die Altersvorsorge der Bürger zu verwenden. (fp)