Anlagestratege: "Märkte werden von Trump nach oben geschaukelt"
Die mit viel Drama inszenierten vermeintlichen Erfolge des US-Präsidenten feierten die Märkte in den vergangenen Monaten mit steigenden Kursen. Mathias Beil von der Hamburger Sutor Bank hat dabei kein gutes Gefühl.
Der Kapitalmarkt liebt Berechenbarkeit. Was er eigentlich verabscheut, sind politische Schocks, geopolitische Eskalationen und Handelskriege. Umso mehr wundert sich Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Hamburger Sutor Bank, über die Entwicklung der vergangenen Monate. Denn obwohl Donald Trump genau jene Unsicherheiten produziert, die Investoren traditionell meiden, steigen die Märkte weiter.
"Der S&P 500 markiert Rekordstände, der Nasdaq ebenfalls, viele internationale Leitindizes ziehen mit. Die Märkte werden vom Politikstil Donald Trumps langsam, aber sicher nach oben geschaukelt", sagt Beil. Und er warnt vor einem bösen Erwachen.
Inhaltlose Inszenierung
Das Muster sei stets das gleiche: "Trump erzeugt Krisen. Danach inszeniert er ihre Lösung. Erst kommt der Schock, dann der Deal." Erst maximale Unsicherheit, dann die Verkündung eines historischen Erfolgs. Das Muster ließ sich laut Beil 2025 auch bei den "Liberation Day"-Zöllen beobachten. Die Märkte brachen massiv ein, nachdem Trump umfassende Strafzölle angekündigt hatte. Kurz darauf folgten Aufschübe, Teilabkommen und Ausnahmen – und die Aktienmärkte drehten wieder nach oben.
Märkte kaufen seiner Meinung nach inzwischen nicht mehr Stabilität, sondern die Erwartung zukünftiger Entspannung. Das sei psychologisch nachvollziehbar – ökonomisch jedoch hochproblematisch. Denn warum sollte eine Situation besser sein als zuvor, nur weil man eine selbst verursachte Verschlechterung teilweise zurücknimmt? Die ökonomische Substanz verbessert sich dadurch nicht, so der Experte. Und genau hier liege die gefährliche Verzerrung der aktuellen Börsenlogik.
Immer das gleiche Theater
Beil sagt: "Die Märkte feiern heute vielfach nicht reale Wertschöpfung, sondern die Verringerung zuvor künstlich erzeugter Risiken." Ein fundamentaler Unterschied: "Ein echter Bullenmarkt basiert auf Produktivitätsfortschritten, technologischen Innovationen, steigenden Unternehmensgewinnen und nachhaltigem Wachstum." Der aktuelle Markt dagegen reagiere häufig auf politische Dramaturgie.
Reale Wachstumstreiber stellt er nicht in Abrede. "Der globale KI-Boom, massive Infrastrukturinvestitionen in Rechenzentren und hohe Unternehmensgewinne großer Technologiekonzerne liefern den Märkten echte Unterstützung. Doch selbst diese Faktoren erklären nicht vollständig die Geschwindigkeit und Gleichgültigkeit, mit der Investoren inzwischen politische Risiken ignorieren."
Moment der Wahrheit droht
Die Gefahr sieht Beil in der Möglichkeit, dass Investoren irgendwann erkennen, dass politisches Schaukeln keine Wertschöpfung ersetzt: "Bislang funktioniert das Spiel. Aber Märkte, die sich an politische Inszenierung gewöhnen, verlieren ihren Realitätssinn. Und das endet an der Börse selten geräuschlos." (jh)















