Wer auf grüne Anleihen und Impact-Bonds setzen will, hat bei Schwellen- und Entwicklungsländern derzeit bessere Aussichten als bei Industrieländern, meint Michael Wehrle, Leiter Investment Solutions bei Blue Orchard, der Impact-Investment-Tochter des Vermögensverwalters Schroders. "Die Volatilität an den Anleihemärkten wurde in der ersten Jahreshälfte überwiegend vom Anstieg der Renditen für US-Treasuries und der steigenden Inflation bestimmt", schreibt der Finanzprofi in einem aktuellen Marktkommentar. Während der durchschnittliche Spread für Schwellenländerbonds mit einem BBB-Rating in den vergangenen sechs Monaten relativ gering ausfiel, stiegen die Zinssätze für US-Staatsanleihen deutlich an.

Trotz der Pandemie und der steigenden Inflation zeigten sich die Schwellen- und Entwicklungsländer in den vergangenen Monaten widerstandsfähig. Auch steigende Inflationsraten trugen zu dieser positiven Entwicklung bei. Wehrle nimmt Indien als Beispiel. Das Land sei zwar von der zweiten Welle der Pandemie besonders hart getroffen worden, dürfte sich aber "aufgrund der erwarteten weniger starken Einschränkungen der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte und dank gezielter struktureller Maßnahmen der Zentralbank und Regierung weiter erholen."

Zentralbanken könnten Wachstum verlangsamen
In einigen Ländern warnt Wehrle besonders vor Risiken. So hoben etwa in Brasilien, Russland und Ungarn die Zentralbanken ihre Zinssätze zuletzt als Reaktion auf die steigende Inflation schnell an. Das könnte die wirtschaftliche Erholung in diesen Ländern verlangsamen, warnt der Investmentprofi. Blue Orchard setzt derzeit verstärkt auf Länder und Sektoren, "welche nicht übermäßig abhängig sind von der außergewöhnlichen Liquiditätslage in den Finanzmärkten wie derzeit beispielsweise Chile oder gewisse Länder in Osteuropa". (fp)