Nach ihrer zweitägigen Sitzung hat die Bank of Japan (BoJ) am Donnerstag (19.3.) ihren Leitzins bei 0,75 Prozent belassen. Der Beschluss fiel mit acht zu eins Stimmen.

Während einer Pressekonferenz von BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda legte der Yen zu, nachdem dieser auf solide Lohnabschlüsse und Inflationsrisiken verwiesen hatte. Gleichzeitig gerieten die Aktienmärkte unter Druck: Der Nikkei 225 verlor 3,4 Prozent, während die Renditen japanischer Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg stiegen.

Nahost-Konflikt belastet Ausblick
Der Krieg im Iran bringt die Notenbank in eine schwierige Lage. Stark steigende Ölpreise dürften die Inflation weiter anheizen, gleichzeitig aber Wirtschaft und Konsum belasten.

Die BoJ nahm den Nahen Osten ausdrücklich in ihre Risikobewertung auf, ohne jedoch ihre Inflationsprognose zu ändern – ein Hinweis darauf, dass sie weiterhin Spielraum für Zinserhöhungen sieht. "Die Notenbank braucht mehr Zeit, um die Lage zu beobachten, da unklar ist, wie lange die hohen Ölpreise anhalten", sagte Mari Iwashita von Nomura. Es bestehe kein unmittelbarer Handlungsdruck, doch die Kommunikation sei "äußerst schwierig".

Tür für Zinserhöhung bleibt offen
In ihrer Stellungnahme verwies die BoJ auf Unsicherheiten rund um den Iran-Konflikt und die Entwicklung der Ölpreise. Zugleich bekräftigte sie, dass sie die Zinsen anheben will, sollte sich ihre Inflationsprognose bestätigen.

Bemerkenswert ist, dass die Notenbank dieses Signal trotz unveränderter Geldpolitik beibehielt – ein ungewöhnlicher Schritt, der darauf hindeuten könnte, dass sie keine zu lockeren Erwartungen schüren will. "Bloomberg"-Ökonom Taro Kimura sieht darin ein mögliches Signal für eine Zinserhöhung bereits im April. Auch andere Experten betonen, dass selbst durch Ölpreise verursachte Inflation ein Auslöser für eine Straffung sein könnte.

Japan besonders anfällig für Ölpreis-Schocks
Japan ist stark von Energieimporten abhängig: Mehr als 90 Prozent der Ölimporte stammen aus dem Nahen Osten. Entsprechend sensibel reagiert die Wirtschaft auf Preissteigerungen. Die Benzinpreise stiegen zuletzt auf 190,8 Yen pro Liter – der höchste Stand seit Beginn der Datenerhebung 1990.

Premierministerin Sanae Takaichi hat nach ihrem Wahlsieg Subventionen für Benzin wieder eingeführt, um die Belastung für Verbraucher abzufedern. Gleichzeitig steht Japan vor der Herausforderung, dass sich Inflation hartnäckiger als in früheren Phasen erweisen könnte. Bereits seit vier Jahren liegt die Teuerung über dem Zielwert von zwei Prozent.

April rückt in den Fokus
Vor dem Iran-Krieg entwickelte sich Japans Wirtschaft weitgehend im Einklang mit den Erwartungen der BoJ. Die Wirtschaft wuchs stärker als zunächst angenommen, und die Reallöhne stiegen zuletzt wieder.

Mehr als ein Drittel der Marktbeobachter erwartet inzwischen eine Zinserhöhung im April, berichtet "Bloomberg". "Die entscheidende Frage ist, ob Wirtschaft und Preise ohne externe Faktoren weiterhin auf Kurs sind", sagte Nomura-Experte Tetsuya Inoue. Sollte sich der Einfluss des Nahost-Konflikts als vorübergehend erweisen, könnte die Diskussion über Zinserhöhungen rasch wieder an Fahrt gewinnen. (mb/Bloomberg)