Die Verhandlungen zwischen der argentinischen Regierung und ihren Gläubigern kommen unverändert nicht voran. Zuletzt hatten die Kreditgeber höhere Zinsen auf die ausstehenden Staatsanleihen und Änderungen an einigen Vertragsklauseln gefordert. Doch das Land hat die Gegenseite erneut abblitzen lassen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die letzte Frist im Schuldenstreit endet, nach mehrmaliger Verlängerung, nun am 4. August. Kommt es bis dahin zu keiner gemeinsamen Einigung, droht der neunte Staatsbankrott in der Geschichte des Landes.

Argentinien fordert von seinen Gläubigern, auf einen Teil ihrer Forderungen in Höhe von 65 Milliarden Euro zu verzichten. Damit will das Land eine Umschuldung verhindern – jedoch nicht um jeden Preis. Laut FAZ hofft die Regierung in Buenos Aires offenbar auf die Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF), sollten die Verhandlungen mit den Gläubigern scheitern. Wirtschaftsminister Martín Guzmán kündigte bereits an, unabhängig von den Gesprächen mit den Kreditgebern ein neues IWF-Programm anzustreben.

Corona-Krise trifft Argentinien schwer
Guzmán reagierte empört auf das neue Gegenangebot der Gläubiger. "Das wäre nicht nur unverantwortlich, sondern auch ungerecht. Während 50 Prozent der Kinder in Argentinien in Armut leben, können wir nicht die kurzfristigen Gewinne unserer Gläubiger erhöhen", zitiert ihn die Zeitung. Die Corona-Krise hat die Wirtschaft des Landes stark getroffen. Experten rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 12 Prozent. Ende Mai hatte Argentinien es versäumt, seinen Gläubigern rund 500 Millionen US-Dollar an aufgelaufenen Zinsen zu überweisen. Guzmán erklärte damals, das Land könne es sich in Virus-Zeiten schlicht nicht leisten, weiterhin 20 Prozent seiner Staatseinnahmen für Zinszahlungen auszugeben. (fp)