Der plötzliche, krankheitsbedingte Rücktritt von Japans Premierminister Shinzo Abe hat am Markt die Sorge ausgelöst, dass Abes auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaftspolitik nun zu Ende sein könnte. Diese Sorge ist offenbar unbegründet, sagt Clemens Kustner, Experte für den japanischen Kapitalmarkt und Mitbegründer von Aspoma Asset Management mit Sitz im österreichischen Linz. Er nennt drei Gründe, warum Anleger weiterhin optimistisch auf Japan blicken können.

Der erste Grund: Unternehmen und Investoren in Japan haben die Wahl des neuen japanischen Premierministers Yoshihide Suga positiv aufgenommen, denn sie verheißt politische Kontinuität. Der frühere Kabinettssekretär gilt als einer der engsten Verbündeten Abes und steht im Ruf, dessen Wirtschaftspolitik maßgeblich mitgestaltet zu haben. Dementsprechend hat Suga bereits angekündigt, den wirtschaftspolitischen Kurs des Ex-Premiers fortsetzen zu wollen. "Erste Berichte deuten an, dass Suga sein Hauptaugenmerk auf dringend erforderliche Strukturreformen legen wird", sagt Kustner. 

Die Tokioter Börse ist kein Kuriositätenladen
Das zweite Argument für Japan-Investments: Star-Investor Warren Buffett hat mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway insgesamt rund sechs Milliarden US-Dollar in Aktien von fünf japanischen Handelshäusern investiert. Das sendet ein wichtiges Signal an internationale Investoren, erklärt der Vermögensmanager. Für diese war der japanische Aktienmarkt nämlich in den vergangenen Jahren eher eine Art Kuriositätenladen als ein ernstzunehmendes Investmentziel. Dabei findet man dort solide geführte und kapitalkräftige Unternehmen, betont Kustner – die längst nicht so ambitioniert bewertet sind wie US-Firmen.

Als drittes Argument führt Kustner an, dass Japan bisher vergleichsweise gut durch die Covid-19-Pandemie gekommen ist. "Obwohl es auch in Japan zuletzt einen spürbaren Anstieg bei den Neuinfektionen gegeben hat, sind die Fallzahlen bezogen auf die Bevölkerungszahl nur ein Bruchteil dessen, was wir in Europa und den USA sehen", sagt er. Auch die Wirtschaftsprognosen haben sich aufgehellt. Kustners Fazit: "Japan ist und bleibt einer der interessantesten Wirtschaftsschauplätze mit historisch nicht vergleichbaren Investmentmöglichkeiten." (fp)