Die US-Notenbank Fed wird den Leitzins im Dezember voraussichtlich anheben. Nicht das Timing der ersten Zinserhöhung ist entscheidend, sondern die Frage, wie oft die Fed die Zinsen im kommenden Jahr noch anhebt. Dieser Ansicht ist Chris Iggo, CIO Fixed Income bei Axa Investment Managers (Axa IM): "Eine Zinserhöhung wäre lediglich das Aufbruchsignal. Wichtiger ist die Tatsache, dass sich der Zins wieder bewegt."

Ein Zinsschritt stelle noch keine wesentliche Straffung der Geldpolitik in den USA dar, sagt Iggo. Seiner Ansicht nach hat die Fed mit der Ankündigung einer möglichen Zinserhöhung im Dezember versucht, die Marktteilnehmer auf eine sehr langsame und bescheidene Straffung im Jahr 2016 vorzubereiten. "Eine radikalere Nachricht hätte vermutlich die Angst geschürt, dass der US-Dollar wieder aufwertet und die langfristigen Anleiherenditen abrupt steigen."

Beide Szenarien könnten sich negativ auf Wachstum und Inflation auswirken. Ein starker US-Dollar könne es den USA schwer machen, ihr Inflationsziel zu erreichen. Europa und Japan hingegen seien so weit von ihrem Inflationsziel entfernt, dass sich manch einer wünsche, Euro und Yen würden gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren.

Aufwertung des US-Dollar wahrscheinlich
Die Europäische Zentralbank (EZB) werde künftig voraussichtlich mehr Asset-Käufe tätigen und auf die Bilanz für September 2016 achten, erwartet Iggo. Dahinter stecke die Hoffnung, dass der Wert des Euro sinke und sich die Fremdkapitalkosten in der Eurozone auf einem sehr niedrigen Niveau hielten. Die Bank of Japan habe ihr Wertpapierkaufprogramm bislang nicht weiter ausgedehnt – dennoch sei es schon weit vorgeschritten und eine restriktivere Geldpolitik in weiter Ferne.

Seit dem dritten Quartal schrumpfe die Wirtschaft, und die Inflation halte sich gerade so über Null. "Investoren sind wahrscheinlich zuversichtlicher, dass die EZB und die Bank of Japan ihre Politik fortsetzen, als dass die Politik der Fed restriktiver wird", sagt Iggo. Ein realistisches Szenario für die kommenden sechs Monate sei aber, dass die Divergenz in der Geldpolitik der Notenbanken zu einer Aufwertung des US-Dollar führe und die Parität zum Euro wieder in Sichtweite rückt. (fp)