Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in den USA und die Ankündigung eines möglichen Impfstoffs haben Anleger euphorisiert. Auch Chris Iggo, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter Axa Investment Managers, ist optimistisch. Zwar würde die erste Begeisterung schon bald einer nüchternen Analyse der Marktlage weichen. Entscheidend sei dennoch: "Für alle ist nun ein deutliches Licht am Ende des Tunnels zu sehen", sagt Iggo. "Wenn alles gut verläuft, sollten die Volkswirtschaften kommendes Jahr durch einen Coronavirus-Impfstoff wieder vollständig öffnen können." Der Übergang vom defensiven Bullenmarkt zu einem offensiveren, zyklischen Markt könnte die Folge sein.

Neben den wachstumsstarken Segmenten Online-Shopping, Kommunikation, Zahlungssysteme und Distribution erkennt der Anlageexperte auch in anderen Bereichen eine spannende Entwicklung. "In der Woche nach den US-Wahlen hat der Value-Index hat den Growth-Index um 5,3 Prozent übertrumpft, Europäische Titel übertrafen US-Titel um einen ähnlichen Wert und Japan übertraf China um rund zehn Prozent", sagt Iggo. Im Anleihesegment übertrafen hochverzinsliche Papiere die amerikanischen und europäischen Staatsanleihen um 1,3 Prozent. Die entscheidende Frage sei nun, ob diese Rotation in der Marktführerschaft sowie der von Value-Werten getriebene zyklische Aufschwung nachhaltig sein werden. 

Value statt Growth
Für das Portfolio rät Iggo deshalb zu einer Zusammensetzung mit mehr Unternehmens- und Hochzinsanleihen, einer Priorisierung von Value- gegenüber Growth-Titeln und Engagements in durch die Covid-19-Pandemie günstig gewordenen Anlagen. Die positive Stimmung an den Märkten hat sich auch auf die Zinserwartung ausgewirkt: "Eine schnellere Rückkehr zur Normalität könnte den Zeitraum verkürzen, bis die Federal Reserve und andere Zentralbanken ihre Politiken anziehen", sagt Iggo. Die Forward-Zinsen, also heute gehandelte zukünftige Zinssätze, seien gestiegen, und die Zinskurve sei steiler geworden. (fp)