Corona hin, Pandemie her: Die Arbeit vieler Behörden geht weiter, so auch die der Finanzaufsicht Bafin. Das schließt die jährliche Pressekonferenz ein, die Bafin-Präsident Felix Hufeld notgedrungen zu einer Telefonkonferenz umgestaltete.

Der oberste Aufseher für die deutschen Finanzdienstleister geht in seinen Ausführungen natürlich auch auf die Fondsbranche ein: "An den Finanzmärkten haben wir hohe Kursverluste und hohe Mittelabflüsse bei Fonds gesehen. Die Branche scheint aber bislang mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Anleger konnten ihre Anteile in aller Regel problemlos veräußern", so Hufeld.

Bafin schaut 38 Kapitalverwaltungsgesellschafen "auf die Finger"
Hufeld verweist ferner darauf, dass der Gesetzgeber schon vor Ausbruch der Pandemie Vorschriften beschlossen hat, um Liquiditätsengpässen bei Portfolios vorzubeugen: "Den offenen Investmentvermögen kommt immerhin eine Novelle zur Hilfe, die der Gesetzgeber in Vor-Corona-Zeiten auf den Weg gebracht hat: Sie sollen ihre Liquidität mit einer Reihe von Instrumenten besser steuern können. Es geht darum zu vermeiden, dass Fonds geschlossen werden müssen. Als Aufsicht erwarten wir daher, dass die Kapitalverwaltungsgesellschaften zügig prüfen, ob und welche neuen Tools sie nutzen werden."

Bei diesen neuen "Tools" handelt es sich um Rücknahmefristen (Redemption Notices) von bis zu einem Monat und um Beschränkungen, die greifen, sobald die von Anlegern gewünschten Rückgaben einen bestimmten Schwellenwert erreichen (Redemption Gates). Mit dem dritten Tool, dem "Swing Pricing", können Gesellschaften den Nettoinventarwert (NAV) eines Fonds berechnen und damit den Anteilspreis anpassen, um Mittelabflüsse zu steuern (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich).

Die Bafin gibt in dem Zusammenhang an, dass sie Anfang März die Fondsaufsicht intensiviert habe. Seitdem beobachte sie noch genauer die Rückgabe von Fondsanteilen bei offenen Wertpapierpublikumsfonds. Dazu lasse sie sich von den 38 deutschen Gesellschaften, die diese aufgelegt haben, bis auf weiteres auf wöchentlicher Basis Informationen über ihre Fonds mit kritischen Mittelabflüssen zur Verfügung stellen.

Keine Sorge um Lebensversicherer
Hufeld geht in seinen Statements ferner auf die Lage der Lebensversicherer in der Krisenzeit ein. "Problem Nummer Eins der Branche ist nach wie vor das Dauerzinstief. Die Krise setzt den Unternehmen in der Kapitalanlage zusätzlich zu. Existenzbedrohend ist die Situation aber aus heutiger Sicht nicht. Zwar werden die Solvenzquoten wohl sinken. Das hat unsere Abfrage bei ausgewählten Lebensversicherern ergeben. Aber bei keinem dieser Unternehmen kommt es zu einer Unterdeckung." 

Hufeld, der in früher selber der Versicherungsaufsicht vorstand, merkt noch an, dass Corona dazu führen könne, dass auch Versicherer ein Liquiditätsproblem bekommen könnten. "Noch sorgen wir uns nicht, aber wir sehen umso genauer hin", so sein Ankündigung. Auch für seine eigene Behörde hatte der Präsident noch ein paar Worte übrig: "Fehlt noch ein Blick auf uns: Nach der Krise werden wir zur aufsichtlichen Normalität zurückkehren – in angemessener Zeit und Schritt für Schritt", so Hufeld. (jb)